Kurz
Die litauische Polizei hat die Strafakte gegen sechs Ausländer an die Justiz übergeben, die verdächtigt werden, Brandanschläge auf eine Fabrik in Šiauliai verübt zu haben, die Ausrüstung für die Streitkräfte der Ukraine herstellte. Dies ist kein lokaler Vorfall — die Ermittlungen sehen darin einen Teil einer größeren Operation, die darauf abzielt, die Unterstützung für die Ukraine zu diskreditieren und die Logistik zu sabotieren.
Chronologie und Verdächtige
Den Behörden zufolge wurden Unterlagen zu sechs Festgenommenen an das Gericht übermittelt: Darunter ein russischer Staatsbürger, ein belarussischer Staatsbürger sowie eine kubanische Staatsangehörige und ein kolumbianischer Staatsbürger, die nach Auffassung der Ermittler verschiedene Rollen innehatten — von direkten Brandstiftungsversuchen bis hin zu Vermittlung und Finanzierung. Zwei gescheiterte Brandstiftungsversuche wurden am 17. und 22. September 2024 registriert; ein Teil der Verdächtigen wurde in Riga festgenommen und den litauischen Behörden übergeben. Vier weitere Beschuldigte werden noch gesucht: Einer wurde bereits in Kolumbien festgenommen, gegen die übrigen wurden internationale Haftbefehle erlassen.
Was genau angegriffen wurde und warum es wichtig ist
Ziel der Angriffe war das Unternehmen UAB TVC Solutions und seine Produkte — mobile Stationen zur Analyse von Funkfrequenzen, die für die Bedürfnisse der ukrainischen Streitkräfte eingesetzt werden. Der Wert der gefertigten Ausrüstung wird auf etwa 1,5 Mio. Euro geschätzt, die gesamten Sachschäden belaufen sich auf über 4 Mio. Euro. Es geht dabei nicht nur um Schaden für ein Unternehmen: Es handelt sich um Angriffe auf Elemente der Lieferkette, die die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine unterstützen.
"Die Handlungen der Gruppe wurden von russischem Hoheitsgebiet aus koordiniert und stehen in Verbindung mit dem Hauptnachrichtendienst (GRU) der Russischen Föderation."
— Litauische Polizei
Netzwerkcharakter der Angriffe
Die Ermittler geben an, dass die Gruppe nach einem einheitlichen Muster vorgegangen sei und möglicherweise an ähnlichen Sabotageakten in Tschechien, Rumänien und Polen beteiligt gewesen sei. Im Kontext der europäischen Sicherheit erscheint dies als eine Serie transnationaler Aktionen gegen Infrastruktur, die mit der Unterstützung der Ukraine in Verbindung steht — keine Einzelfälle, sondern eine systemische Herausforderung.
Rechtliche und praktische Folgen
In Litauen wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation mit bis zu 15 Jahren Haft bestraft. Parallel dazu führt der Vorfall zu verstärktem Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen Staaten und zu Maßnahmen zum Schutz kritischer Produktionsanlagen, die Teil der Lieferketten für die Ukraine sind.
Wie es weitergeht
Die Ermittlungen dauern an: die Strafverfolgungsbehörden arbeiten über internationale Kanäle, es kommt weiterhin zu Festnahmen und zu Fahndungen. Für die Ukraine ist die zentrale Frage, ob die Partner die Logistik und die Hilfsinfrastruktur systematisch schützen können, damit solche Angriffe die Effektivität der Unterstützung an der Front nicht verringern. Ob Bekenntnisse zur Solidarität in konkrete Schutzmechanismen umgesetzt werden — diese Frage wird darüber entscheiden, wie widerstandsfähig die Lieferketten tatsächlich sind.