Schmutzige Trennung: USA verlassen die WHO und hinterlassen 260 Mio. Dollar Schulden — was das für Gesundheit und Sicherheit der Ukraine bedeutet

Die USA haben am 22. Januar 2025 ihre Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet und die Finanzierung eingestellt. Wir erläutern, warum das gerade jetzt wichtig ist – für die globale Gesundheit und für die Ukraine, in der der Krieg jeden Dollar an Hilfe entscheidend macht.

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Was passiert ist

Am 22. Januar 2025 traten die Vereinigten Staaten offiziell aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus. Laut der Presseabteilung des US-Ministeriums für Gesundheit und Soziale Dienste wurde jegliche Finanzierung von WHO-Initiativen durch die USA eingestellt.

Bloomberg zufolge belief sich die unbezahlte Schuld der USA an die WHO im Januar 2025 auf etwa 260 Mio. $. Gleichzeitig erinnert die Agentur daran, dass die USA in den Jahren 2022–2023 fast 1,3 Mrd. $ zu WHO-Programmen beigetragen haben, und ohne diese Mittel gerät die Arbeit zur Kontrolle von Krankheiten wie HIV, Poliomyelitis und Ebola in Gefahr.

«Dieser Schritt sei eine Reaktion auf die Versäumnisse der WHO während der COVID-19-Pandemie... die Organisation habe eine politisierte, bürokratische Agenda verfolgt»

— Presseabteilung des US-Ministeriums für Gesundheit und Soziale Dienste

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Für die Ukraine ist diese Frage keine abstrakte Diplomatie. Der Krieg verstärkt die Verwundbarkeit des Gesundheitswesens: Bevölkerungsbewegungen, zerstörte Infrastruktur, ein erhöhtes Risiko von Ausbrüchen und verschobene Präventionsprogramme. Jeder Ausfall internationaler Finanzierung wirkt sich unmittelbar auf die Versorgung mit Impfstoffen, die Surveillance und die humanitäre medizinische Hilfe aus, die bereits heute an der Grenze ihrer Kapazitäten arbeiten.

Wenn Schlüssel-Geber ihre Verpflichtungen nicht umverteilen, drohen Programme zur Immunisierung und zur Bekämpfung von Infektionen in Krisenregionen mit geringeren Ressourcen auszukommen — das bedeutet ein größeres Risiko für die Zivilbevölkerung und zusätzliche Belastung für unser Gesundheitssystem.

«Das ist eine sehr schmutzige Trennung»

— Lawrence Gostin, Direktor des WHO-Kooperationszentrums für nationales und globales Gesundheitsrecht an der Georgetown University

Rechtliche und praktische Folgen

Die WHO verweist auf die Resolution des Kongresses von 1948: Für einen Austritt sei eine einjährige Vorankündigung und das Fehlen von Schulden erforderlich. US-Vertreter behaupten das Gegenteil — dass es in der Gesetzgebung keine Verpflichtung gebe, Schulden als Bedingung für den Austritt zu begleichen. Das schafft rechtliche und operative Unsicherheit: Die WHO könnte die USA formal weiterhin als Mitglied ansehen, aber ohne aktive Finanzierung.

«Das amerikanische Volk hat mehr als genug bezahlt»

— Sprecher des US-Außenministeriums (Kommentar gegenüber Reuters)

Wie es weitergeht — für die internationale Gemeinschaft und für die Ukraine

Die WHO plant, im Mai rechtliche Optionen zur Begleichung der Schuld zu erörtern. Wichtiger als juristische Debatten ist jedoch die Reaktion der Geber: Sind EU, G7 und Nichtregierungsfonds bereit, die Lücken zu schließen, um kritische Programme nicht scheitern zu lassen? Für die Ukraine ist das ein Signal – Zeit, von Partnern zu verlangen, Erklärungen in konkrete Mittel und operationelle Vereinbarungen zu verwandeln.

Fazit

Der Austritt der USA aus der WHO ist nicht nur eine finanzielle Angelegenheit: Er setzt einen Präzedenzfall, der die Widerstandsfähigkeit internationaler Gesundheitsmechanismen auf die Probe stellt. Für die Ukraine ist die zentrale Frage praktisch: Wer füllt die Lücken in Impf- und Surveillance-Programmen während des Krieges? Die Antwort darauf entscheidet, wie schmerzhaft die Folgen für Hunderttausende unserer Bürgerinnen und Bürger sein werden.

Nun sind die Partner am Zug: Werden sich Gelder und der politische Wille finden, um die Gesundheit in den Konfliktregionen zu schützen — und werden internationale Zusagen in konkrete Verträge und Logistik umgesetzt?

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