Kern der Entscheidung
Die Firma D.Trading (Energieholding DTEK) hat am 24. Januar offiziell NAEK "Energoatom" gebeten, den Stromkaufvertrag, der infolge der Auktion vom 14. Januar abgeschlossen wurde, vorzeitig zu beenden. In der Mitteilung verweist D.Trading auf eine breite öffentliche Diskussion und „kritische Bewertungen aus dem Expertenumfeld hinsichtlich der Außenumstände und Bedingungen, unter denen die Auktion durchgeführt wurde“.
Was die Beteiligten sagen
„Für DTEK ist ein makelloser Ruf eine unbedingte Priorität“
— D.Trading (Gruppe DTEK), offizielle Erklärung
In der Mitteilung wird außerdem betont, dass D.Trading „in voller Übereinstimmung mit allen gesetzlichen Verfahren“ an der Auktion teilgenommen habe und gerade aufgrund der öffentlichen Resonanz rund um die Bedingungen der Auktion die Vertragsauflösung initiiere.
„Energoatom hat etwa 2 Mrd. Hrywnja verloren, indem es eine beträchtliche Menge Elektrizität vor der Erhöhung der Preisdeckel verkauft hat. Das geschah aufgrund krasser Inkompetenz oder korrupten Interesses“
— Andriy Herus, Vorsitzender des Energieausschusses der Werchowna Rada
Kontext und Folgen
Bei der Auktion am 14. Januar kaufte D.Trading knapp 20% des Volumens. Nach Berechnungen der Publikation „Наші гроші“ konnte das Unternehmen durch die Preisdifferenz nach der Erhöhung der Preisdeckel rund 400 Mio. Hrywnja erzielen. Gleichzeitig bezifferte der Vorsitzende des Energieausschusses des Parlaments mögliche Verluste von Energoatom auf etwa 2 Mrd. Hrywnja und äußerte Vermutungen über Inkompetenz oder korrupte Interessen.
Diese Geschichte ist nicht aus dem Nichts entstanden: Im November führte NABU im Rahmen der Ermittlungen zu Korruption bei Energoatom (Operation „Midas“) mehr als 70 Durchsuchungen durch; Ermittlungsmaßnahmen endeten mit der Erhebung von Verdachtsanzeigen gegen bestimmte Beschuldigte. In Reaktion darauf löste die Regierung den Aufsichtsrat von Energoatom auf und plante die Ernennung einer neuen Zusammensetzung, die die Leitung des Unternehmens bestimmen soll.
Wie geht es weiter
Die Entscheidung von D.Trading wirkt als Indikator: Selbst große Akteure sind bereit, kurzfristige finanzielle Verluste hinzunehmen, um ihren Ruf zu schützen. Für den Markt ist das ein Zeichen, dass die Transparenz der Verfahren zur kritischen Voraussetzung für Vertrauen wird. Drei zentrale Folgen, die zu beobachten sind:
1) Verschärfung der Ermittlungen durch NABU/SAP und die Forderung an NKREKP und Energoatom, die Auktionsdokumente offenzulegen. 2) Möglicher Bedarf an einer erneuten Durchführung der Auktionen oder an Regelanpassungen, um das Vertrauen von Käufern und Lieferanten wiederherzustellen. 3) Reputationswirkung für Marktteilnehmer: Ein Teil der Wirtschaft könnte einen reputationsorientierten Minimalanspruch dem kurzfristigen Profit vorziehen.
Letztlich liegt der Ball bei den Regulierungs- und Strafverfolgungsbehörden: Ob es ihnen gelingt, schnell und dokumentiert zu klären, ob Verfahrensverstöße stattgefunden haben und ob diese Schritte das Vertrauen in den Strommarkt wiederherstellen, ist eine Schlüsselfrage für die Energiesicherheit des Landes.