Polen weitet RTV-Gebühr aus: Smartphones und Tablets sind jetzt beitragspflichtig — was das für die Ukraine bedeutet

Ab dem 1. Januar 2026 umfassen polnische Regelungen zur Rundfunkabgabe auch Multifunktionsgeräte. Wir erklären, wen das betrifft und warum die Entscheidung für die Nachbarländer, insbesondere die Ukraine, wichtig ist.

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Was sich geändert hat

Seit dem 1. Januar 2026 sind in Polen die aktualisierten RTV-Regeln in Kraft: Die monatliche Gebühr für die Nutzung von Radio und Fernsehen kann sich nun nicht mehr nur auf traditionelle Fernseher und Radiogeräte erstrecken, sondern auch auf Smartphones, Tablets und Computer, sofern auf ihnen die Möglichkeit besteht, Fernseh- oder Radiocontent zu empfangen — berichtet Business Insider.

Wen das betrifft

Nach Entscheidungen der Verwaltungsgerichte wurde der Begriff „Empfänger“ auf multifunktionale Geräte ausgeweitet. Wichtig ist jedoch: Das bloße Vorhandensein eines Smartphones macht den Besitzer nicht automatisch zahlungspflichtig. Wie Radio Eska präzisiert, ist das entscheidende Kriterium das Vorhandensein bereits registrierter Fernseh- oder Radiogeräte im Haushalt.

"Das Vorhandensein eines Smartphones bedeutet nicht automatisch die Pflicht zur Zahlung des neuen Abonnements: ausschlaggebend ist das Vorhandensein registrierter Empfangsgeräte im Haushalt"

— Radio Eska

Wie die Besteuerungsmechanik funktioniert

Private Personen zahlen jeweils einen Beitrag pro Empfangsart innerhalb des Haushalts — einen für Radio und einen für Fernsehen, unabhängig von der Anzahl der Geräte. Für Unternehmen gilt die Gebühr hingegen für jedes Empfangsgerät einzeln.

Im Jahr 2026 wurden die monatlichen Tarife auf 9,50 Zloty für Radio und 30,50 Zloty für Fernsehen festgelegt (etwa 113 bzw. 363 UAH). Die Kontrolle der Zahlungen obliegt Mitarbeitenden der Poczta Polska; für ein nicht registriertes Empfangsgerät ist eine Geldstrafe von bis zu dem 30-fachen Betrag des monatlichen Abonnements vorgesehen. Medienberichten zufolge betreffen Kontrollen häufiger Unternehmen, private Haushalte seltener.

Wie geht's weiter: Reform 2027

Die polnische Regierung hat angekündigt, dass ab 2027 die Abonnementgebühr durch einen audiovisuellen Beitrag ersetzt wird, der in die jährliche Einkommensteuererklärung (PIT) aufgenommen wird. Schätzungen zufolge wird ein solcher Mechanismus rund 2,5 Mrd. Zloty jährlich zur Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien bereitstellen; gleichzeitig bleiben alte Forderungen weiterhin einziehbar.

Europäischer Kontext

Ähnliche Modelle gibt es bereits in verschiedenen EU-Ländern, die Mechanismen und Beträge unterscheiden sich jedoch. Beispielsweise beträgt in Deutschland der pauschale Rundfunkbeitrag etwa 18,36 Euro pro Monat und Haushalt; in Großbritannien gibt es die BBC-Lizenz. Manche Länder, wie Italien, haben die Gebühr in die Stromrechnung integriert; andere Staaten (Frankreich, Finnland, Spanien, Niederlande) haben die klassische Lizenz aufgrund veränderter Finanzierungsmodelle abgeschafft.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Der polnische Schritt ist nicht nur eine lokale Steuerneuheit. Er ist ein Beispiel dafür, wie die Finanzierung des öffentlichen Rundfunks an die digitale Realität angepasst wird, in der Inhalte zunehmend auf mobilen Geräten konsumiert werden.

Drei Folgen sind für Ukrainer wichtig: Erstens sollten ukrainische Staatsbürger und Arbeitsmigranten in Polen die neuen Regeln beachten, um Strafen zu vermeiden; zweitens schafft dies einen Präzedenzfall für die Nachbarn — die EU könnte sich in Richtung einheitlicherer Ansätze zur Finanzierung des AV-Sektors bewegen; drittens sollte die Ukraine ihre eigenen Modelle zur Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks überdenken, um nicht technologisch ins Hintertreffen zu geraten.

Kurzfassung

Polen hat einen Trend gesetzt: In der digitalen Ära wird die Frage, wer und wie für das öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen zahlt, komplexer. Die Ukraine sollte nicht nur auf Beträge achten, sondern auf Prinzipien — wer die Verantwortung trägt, wie die Rechte der Konsumenten geschützt werden und wie die finanzielle Unabhängigkeit der öffentlichen Medien garantiert wird. Statt in Panik zu geraten: ein Aktionsplan — die eigenen Bürger im Ausland informieren und eine fachliche Debatte über die Zukunft der Finanzierung des ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks beginnen.

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