Geld liebt Stille, doch diese Zahlen sollte man kennen
Im März nahm in der Ukraine das sechste Werk zur Produktion von Biomethan den Betrieb auf. Produzent wurde die Теофіпольська енергетична компанія (Хмельницька область), teilte der Vorstandsvorsitzende der Bioenergetischen Assoziation der Ukraine, Георгій Гелетуха, im Interview mit Espreso mit.
Was das hier und jetzt bringt
Das Werk wird etwa 56 Millionen Kubikmeter Biomethan pro Jahr produzieren — es ist das größte Projekt der Branche, das direkt an das Gastransportsystem angeschlossen ist. Nach Angaben von Георгій Гелетуха gibt es derzeit in der Ukraine sechs Produzenten von Biomethan mit einer Gesamtkapazität von rund 106 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Ein weiteres Werk wird für 2026 erwartet.
Derzeit gibt es in der Ukraine sechs Produzenten von Biomethan. Ihre Gesamtleistung – 106 Mio. Kubikmeter pro Jahr
— Георгій Гелетуха, Vorsitzender des Vorstands der Bioenergetischen Assoziation der Ukraine
Wie die Infrastruktur funktioniert
Vier dieser sechs Werke speisen Biomethan in Rohrleitungen ein: drei in die Gasverteilnetze und eines in das hochdruckige Gastransportsystem. Die beiden anderen produzieren Bio-LNG — verflüssigtes Gas, das in Kryozisternen transportiert wird. Die gesamte ukrainische Produktion ist nach dem von der Europäischen Kommission anerkannten System ISCC EU zertifiziert, was den Zugang zum europäischen Markt eröffnet.
Kontext und Perspektive: Warum das wichtig ist
Die Initiative ist kein Zufall. Im Jahr 2024 verabschiedete die Ukraine ein Gesetz zum Export von Biomethan, und private Akteure haben bereits Lieferungen nach Europa getestet: Im Februar 2025 führte Vitagro die erste Testlieferung nach Deutschland durch, und im Jahr 2025 exportierten ukrainische Unternehmen mehr als 11,2 Millionen Kubikmeter gasförmigen Biomethans.
Die Bioenergetische Assoziation schätzt, dass zur Substitution eines Teils der Importe (etwa 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr) rund 4.000 Biomethanwerke und Investitionen von ungefähr 40 Milliarden Euro erforderlich wären. Das ist ambitioniert, aber technisch realistisch: Biomethan kann an vielen Agrarbetrieben erzeugt werden, die Bioabfälle haben. Die erwarteten Vorteile sind eine Emissionsreduktion um etwa 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr und die Schaffung von rund 250.000 Arbeitsplätzen.
Was das für die Leser bedeutet
Dieser Start ist nicht nur Statistik. Er ist ein Signal: Die ukrainische agrar-energetische Infrastruktur lernt, Abfälle in Energie zu verwandeln, die im Land verbleiben oder mit entsprechender Zertifizierung in die EU verkauft werden kann. Für die Wirtschaft bedeutet das neue Arbeitsplätze und Deviseneinnahmen; für die Sicherheit ist es ein weiterer Schritt zur Diversifizierung der Energieversorgung; für das Klima eine reale Verringerung der Emissionen.
Was als Nächstes folgt
Jetzt ist es wichtig, dass Absichtserklärungen und Gesetze in langfristige Investitionen und Liefernetze umgesetzt werden. Wenn Staat und Wirtschaft die Politik der Zertifizierung, den Anschluss an das Gastransportsystem und die Unterstützung agrarischer Initiativen fortsetzen, kann Biomethan zu einem nachhaltigen Bestandteil der Energiepolitik der Ukraine und ihres Exports in die EU werden.