Europaparlament nimmt Ratifizierung des Handelsabkommens mit den USA wieder auf — Folgen für die transatlantischen Märkte und die Ukraine

Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments bringt das Abkommen am 19. März zur Abstimmung; die Entscheidung könnte die Lieferketten stabilisieren, lässt jedoch Risiken aufgrund von US-Ermittlungen und den Bedingungen der Umsetzung offen.

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Фото: EPA / RONALD WITTEK

Warum das gerade jetzt wichtig ist

Der Handelsausschuss des Europäischen Parlaments setzt den Ratifizierungsprozess des Abkommens mit den USA wieder in Gang — die Abstimmung ist für den 19. März angesetzt, wonach das Dokument in der Plenarsitzung im März oder April zur Abstimmung gestellt werden soll. Das ist kein rein bürokratischer Schritt: Vom Ergebnis hängt ab, wie vorhersehbar transatlantische Zölle und Lieferketten in den kommenden Jahren sein werden und damit die Wettbewerbsfähigkeit ukrainischer Exporte in der EU und auf dem US-Markt.

Was beschlossen wurde und welche Bedingungen gelten

Nach Angaben von Bloomberg teilte der Vorsitzende des Handelsausschusses des Europaparlaments, Bernd Lange, mit, dass der Ausschuss das Kompromisspaket unterstützt hat und nun bereit ist, das Abkommen dem Plenum zur Abstimmung vorzulegen. Eine rechtlich bedeutsame Einzelheit: Die Abgeordneten haben eine Änderung eingebracht, die vorsieht, dass das Abkommen nicht in Kraft tritt, bevor die USA ihre Verpflichtungen aus dem Text erfüllt haben.

"Für mein Kompromisspaket gab es die Mehrheit der Stimmen. Das ist tatsächlich eine europäische Erklärung."

— Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses des Europaparlaments

Gleichzeitig wurde der Ratifizierungsprozess freigegeben, obwohl am 12. März das Büro des US-Handelsbeauftragten eine Untersuchung gegen 60 Partnerländer eingeleitet hat, um Maßnahmen zur Bekämpfung der Einfuhr von Waren zu prüfen, die unter Verwendung von Zwangsarbeit hergestellt wurden. Auch die EU ist von der Untersuchung betroffen. Das schafft eine rechtliche Unsicherheit, die die Abgeordneten mit den Änderungen zu berücksichtigen versuchen.

Hintergrund: Warum der Prozess zunächst eingefroren wurde

Zuvor hatte das Europäische Parlament die Ratifizierung ausgesetzt: im Januar wegen verstärkter Handelsdrohungen seitens der damaligen US-Administration in Bezug auf Zölle (unter anderem Äußerungen des Präsidenten Donald Trump über mögliche Zölle), und im Februar als Reaktion auf die Einführung neuer Zölle durch die USA. Trotz alledem einigten sich die Parteien am 21. August 2025 endgültig auf ein Rahmabkommen, das eine feste Zollbelastung von 15% für eine Reihe europäischer Waren vorsieht (Autos, Pharma, Halbleiter, Holz).

Was das für die Ukraine bedeutet

Für unser Land ist die Wiederaufnahme der Ratifizierung ein doppeltes Signal. Erstens verringert die Stabilisierung des transatlantischen Handels die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Zollschocks, was für ukrainische Zulieferer von Komponenten, Agrar- und Metallprodukten wichtig ist, die in europäische Lieferketten integriert sind. Zweitens erinnert die laufende Untersuchung wegen Zwangsarbeit daran, dass Ursprungsregeln und die Einhaltung von Lieferstandards entscheidend werden — davon hängt der Marktzugang ab.

Analysten und Beamte in Brüssel betonen: Das Abkommen ist kein automatischer "Export-Bonus" für die Ukraine, schafft aber ein berechenbareres Umfeld für Investitionen und Kooperationen zwischen der EU und den USA, was die Unterstützung für die ukrainische Wirtschaft und die Wiederherstellung industrieller Lieferketten fördern könnte.

Fazit

Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen: Die endgültige Entscheidung hängt vom Plenarvotum des Europaparlaments und der Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten ab. Für die Ukraine ist es entscheidend, die Umsetzungsmechanismen und die Folgen der US-Untersuchung zu Zwangsarbeit genau zu beobachten, denn auf dieser rechtlichen und operativen Grundlage wird entschieden, wann und in welcher Form das Abkommen in Kraft tritt. Ob Erklärungen in konkrete Spielregeln verwandelt werden, ist eine Frage für die kommenden Wochen und Monate.

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