Stille an der Höhlenwand — eine Hand, vor fast 68.000 Jahren hinterlassen. In Leang Metanduno auf der indonesischen Insel Muna dokumentierten Archäologen eine rötliche Handschablone, deren Alter laut einer in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studie mindestens 67.800 Jahre beträgt. Das ist ein neuer Weltrekord unter Felsdarstellungen und ein wichtiger Hinweis auf menschliche Kreativität.
Das Alter wurde mittels Uran-Serien-Analyse der mineralischen Schichten bestimmt, die sich über dem Pigment gebildet hatten. Diese Technik erlaubt die Bestimmung eines Mindestalters der Zeichnung — und sie bestätigte, dass der Abdruck etwa 1.100 Jahre älter ist als der bisherige Rekordhalter in Spanien, dem Neandertaler zugeschrieben worden war.
Das Bild wurde erzeugt, indem Farbe über eine an die Wand gepresste Hand gesprüht wurde. Auffällig sind die zugespitzten Fingerkuppen, die dem Abdruck ein „klauenartiges“ Aussehen verleihen; das deutet auf komplexe symbolische Absichten des Urhebers hin und nicht nur auf eine zufällige Spur.
Was das Verständnis der Migration von Homo sapiens verändert
Der Fund stärkt das Argument, dass frühe Populationen von Homo sapiens die Inselgruppen Südostasiens besiedelten und Australien sowie Neuguinea früher erreichten, als bislang angenommen. Archäologen vermuten, dass die Menschen ein „Inselnetz“ an Routen nutzten und zumindest einfache küstennahe Seefahrt oder Überfahrten zwischen Inseln beherrschten.
Wichtig ist: Es geht nicht nur um das Datum. Die Kombination aus Alter, Aufbringungstechnik und stilistischer Fingerwahl deutet darauf hin, dass symbolisches und künstlerisches Denken in diesen Populationen bereits ausgeprägt war — und dass Kultur und Technologie zusammen mit den Menschen verbreitet wurden.
Warum das für uns von Bedeutung ist
Für die Ukraine und für alle, die Kultur schätzen, ist das eine Erinnerung: Die Geschichte der Menschheit ist ein durchgehendes Netz von Kontakten und Ideen, das heutige Grenzen nicht kennt. Solche Entdeckungen unterstreichen die Bedeutung von Investitionen in die Wissenschaft und in den Denkmalschutz — denn jedes einzelne Artefakt kann unsere gemeinsame Chronik korrigieren.
"Dieser Fund verschiebt die Grenzen des Entstehens ursprünglicher Kunst und weist auf komplexes symbolisches Denken bei frühen Homo sapiens hin."
— Autoren der Studie, Artikel in Nature
Die Archäologen setzen die Ausgrabungen auf der Insel Muna fort in der Hoffnung, weitere Spuren von Siedlungen und materieller Kultur zu finden, die helfen, die Routen und Lebensweisen der frühen Reisenden zu rekonstruieren. Der nächste Schritt ist ein vergleichender Analyse mit Funden in Australasia und Südostasien, die endgültig klären könnte, wie die Menschheit die ozeanischen Räume überquerte.
Offen bleibt die Frage: Werden dieser Fund und andere Befunde unsere Ansätze zur Erforschung von Migrationen und kultureller Evolution verändern — von Forschungsprogrammen über Museumsexponate bis hin zu Schulbüchern?