Kurz — und auf den Punkt
Nach Angaben des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) hat Russland in den ersten zwei Wochen nach der Eskalation im Nahen Osten rund €7,7 Mrd. durch den Export von fossilen Brennstoffen eingenommen. Dieses Phänomen ist die Folge eines gleichzeitigen Anstiegs der Ölpreise und zeitweiliger Lockerungen der US-Sanktionen, die den Kauf bereits auf See befindlicher Ladungen erlaubten.
Mechanik — wie es dazu kam
Schlagoperationen der USA und Israels trieben den Brent-Preis auf über $119 pro Barrel. Der höhere Preis traf auf die Möglichkeit, „treibende“ Tanker schnell zu veräußern, die zuvor keine Käufer fanden. CREA stellt fest, dass Russland im Zeitraum 1.–15. März etwa €513 Mio. pro Tag aus dem Export von Öl, Gas und Kohle erzielte — mehr als im Februar.
Eine Schlüsselrolle spielten Käufer in Asien: Schätzungen von CREA zufolge decken Indien und China rund 75 % der russischen Einnahmen aus Ölexporten ab. Indien importierte allein in der ersten Märzhälfte russischen Treibstoff im Wert von etwa €1,3 Mrd.
„In den ersten zwei Wochen nach der Eskalation konnte Moskau durch die Kombination aus hohen Preisen und Nachfrage nach Tankerlieferungen erhebliche Geldzuflüsse erzielen.“
— Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA)
Die Politik Washingtons und die Reaktion der Partner
The Wall Street Journal und Euronews heben hervor: Ein Teil der erhöhten Lieferungen wurde durch vorübergehende US-Genehmigungen möglich — 30 Tage für Ladungen, die sich bereits auf See befinden, sowie Sonderbehandlungen für Indien. Die USA begründeten diese Entscheidung mit der Stabilisierung der globalen Märkte, doch in Europa löste sie Kritik aus: EU-Spitzenpolitiker dringen darauf, den Sanktionsdruck auf den Kreml aufrechtzuerhalten.
Was das für die Ukraine bedeutet
Die gestiegenen Einnahmen des Kremls bedeuten zwei reale Bedrohungen: Erstens können zusätzliche Mittel teilweise Haushaltsverluste kompensieren und die Kriegsmaschinerie nähren; zweitens gehen höhere Ressourcen mit dem Risiko einher, die logistische Autonomie Russlands auf See zu verlängern — etwa durch eine Zunahme von Tankern unter russischer Flagge, wie der Auslandsnachrichtendienst der Ukraine berichtete.
Gleichzeitig weisen LIGA.net und Experten darauf hin: Die Erschöpfung amerikanischer Arsenale durch neue Fronten im Nahen Osten schafft für uns sowohl Risiken als auch einen Anreiz — die Entwicklung der eigenen Verteidigungsindustrie und die Lieferlogistik zu beschleunigen.
„Die zeitweilige Lockerung der Sanktionen und der Preisanstieg verschaffen dem Kreml Handlungsspielraum — das könnte die Last des Krieges auf jene verlagern, die die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützen.“
— Einschätzung ukrainischer Analysten und offene Quellen
Fazit und wie es weitergehen sollte
Diese Welle von Einnahmen Moskaus ist nicht nur Statistik. Sie ist ein Signal: Sanktionsregime müssen in den Bereichen, die maritime Operationen und die »Schattenflotte« regeln, verschärft werden; die Kontrolle über Frachtübergänge ist zu verstärken und Schlupflöcher bei Exportausnahmen zu schließen. Parallel dazu ist es für die Ukraine wichtig, die Diversifizierung der Bezugsquellen für Verteidigungsgüter zu beschleunigen und in die eigene industrielle Resilienz zu investieren.
Frage an die Partner: Sind sie bereit, operative Lücken in den Sanktionen zu schließen und die maritime Überwachung zu koordinieren, damit die Einnahmen des Kremls nicht zur Finanzierung weiterer Phasen der Aggression werden?