Was beschlossen wurde
Das Pentagon hat die Nationale Verteidigungsstrategie – 2026 veröffentlicht, die die Akzente von der globalen Konkurrenz mit China hin zum Schutz des US-Territoriums und der Interessen in der westlichen Hemisphäre verschiebt. Politico hatte bereits vor der Veröffentlichung darauf hingewiesen, dass das Dokument eine Wende in den Prioritäten im Vergleich zu den vergangenen Jahren zeige.
Neue Logik — praktische Interessen statt globaler Ambitionen
In der Strategie ist die vorrangige Fokussierung auf China verschwunden; stattdessen setzt man auf Diplomatie mit Peking und auf die „praktischen Interessen“ der amerikanischen Öffentlichkeit. Das schließt nicht aus, dass China seine militärische Stärke ausbaut, ändert aber die Instrumente der Reaktion — von großangelegten strategischen Plänen hin zu pragmatischen, lokalisierten Maßnahmen.
„Obwohl Europa weiterhin wichtig ist, nimmt sein Anteil an der weltwirtschaftlichen Macht ab. Obwohl wir uns an europäischen Angelegenheiten beteiligen und dies auch weiterhin tun werden, müssen wir — und werden vorrangig — dem Schutz des US-Territoriums und der Eindämmung Chinas Aufmerksamkeit widmen.“
— Nationale Verteidigungsstrategie der USA, 2026
Was das für die Ukraine bedeutet
Die Übersetzung dieser Veränderung in die Politik der Verbündeten hat mehrere konkrete Folgen für die Ukraine:
- Weniger Aufmerksamkeit in der allgemeinen diplomatischen Agenda: Wenn sich die Prioritäten der USA in Richtung der westlichen Hemisphäre verschieben, ist es für die Ukraine wichtig, Unterstützung nicht nur deklarativ zu sichern, sondern in Form von langfristigen Verträgen, Lieferungen und rechtlich abgesicherten Garantien.
- Diplomatie als Instrument: Der Schwerpunkt auf Dialog mit China und pragmatischen Interessen kann mehr Verhandlungskanäle bedeuten, wird aber auch von der Ukraine verlangen, ihre eigenen Sicherheitsherausforderungen klar und wirtschaftlich begründet darzustellen.
- Unvollständige operative Details: Die Strategie betont den Schutz wichtiger Gebiete in der westlichen Hemisphäre, erklärt jedoch nicht, mit welchen Kräften und Mechanismen dies geschehen soll. Für Europa eröffnet dies Spielraum für Unsicherheit bei der Verteilung von Ressourcen und Verpflichtungen.
Der Kontext ist ebenfalls wichtig: Im Dezember 2025 wies der dänische Geheimdienst auf eine veränderte Wahrnehmung von Risiken hin, und Äußerungen einzelner US-Politiker (etwa zu Grönland oder Venezuela) verstärken den Eindruck einer Rückkehr zu regionalen Prioritäten. Gleichzeitig behält das Dokument die Aufmerksamkeit für Bedrohungen durch Russland, Iran und Nordkorea bei, erwähnt sie aber weniger ausführlich.
Fazit: Was die Ukraine tun sollte
Diese strategische Korrektur bedeutet nicht automatisch eine Abschwächung der Unterstützung für die Ukraine, zwingt aber zu proaktivem Handeln. Verbündete könnten pragmatischer bei der Aufteilung von Kräften vorgehen; daher ist es für die Ukraine wichtig, politische Sympathien in konkrete Instrumente zu verwandeln — langfristige Lieferungen, rechtlich abgesicherte Garantien und die Diversifizierung von Partnerschaften.
Kurze Checkliste für die ukrainische Diplomatie und die Verteidigungsführung:
- Beschleunigen Sie den Abschluss langfristiger Verträge über Rüstung und Logistik.
- Begründen Sie Unterstützung durch wirtschaftliche und sicherheitspolitische Vorteile für Partner.
- Stärken Sie regionale Koalitionen in Europa und darüber hinaus, um das Risiko einer Abhängigkeit von einer einzigen Hauptstadt zu verringern.
Jetzt sind die Partner am Zug: Ob sie Erklärungen in konkrete Verpflichtungen verwandeln — eine der Schlüsselfragen für die Sicherheit der Ukraine im Jahr 2026.