Stubb über Grönland: Drei Szenarien — von Diplomatie bis hin zum Risiko eines militärischen Konflikts für die NATO

Der finnische Präsident Alexander Stubb hat drei mögliche Entwicklungspfade rund um Grönland nach den Äußerungen Donald Trumps skizziert. Warum diese arktische Episode für die euro-atlantische Sicherheit und für die Ukraine von Bedeutung ist — kurz und ohne Panik.

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In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Vereinbarungen

Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos hat der finnische Präsident Alexander Stubb drei Szenarien für die Entwicklung der Lage rund um Grönland genannt — von einer Deeskalation im Rahmen der NATO bis hin zur Wahrscheinlichkeit eines militärischen Zwischenfalls. Seine Einschätzung gab er im Interview mit The Washington Post, und sie verdient Aufmerksamkeit nicht wegen einer Sensation, sondern wegen der Folgen für die Koordination der Verbündeten und die strategische Stabilität in der Arktis.

Was Stubb genau sagte

"Es gibt ein gutes Szenario. Es gibt ein schlechtes Szenario. Und es gibt ein schreckliches Szenario"

— Alexander Stubb, Präsident Finnlands

Das erste Szenario — Deeskalation: die Verbündeten finden einen Ausweg und stärken die Sicherheit in der Arktis durch Koordination innerhalb der NATO. Das zweite — ein Bruch zwischen Grönland und Dänemark, dessen Folgen unvorhersehbar wären. Und das dritte, das Stubb als „schrecklich“ bezeichnete — die Möglichkeit militärischer Aktionen oder einer Eroberung der Insel.

Warum das für Europa und für die Ukraine wichtig ist

Es geht hier nicht um geografische Exotik, sondern um die Struktur der internationalen Sicherheit. Die Arktis wächst als strategische Zone: Stützpunkte, Versorgungslinien, Ressourcen und geopolitische Markierungen. Sollte sich ein Konflikt um Grönland entwickeln oder auch nur die Besorgnis im Bündnis verstärken, könnte das Ressourcen und diplomatische Aufmerksamkeit von anderen Krisen abziehen — insbesondere von der Bekämpfung der russischen Aggression in der Ukraine.

"Kein Kommentar"

— Donald Trump, Präsident der USA (als Antwort auf die Frage nach der Möglichkeit des Einsatzes von Gewalt gegen Grönland)

Die Aussagen von Donald Trump selbst im Januar 2026 — darunter die Andeutung, man müsse zwischen dem Besitz der Insel und dem Fortbestand der NATO wählen (9. Januar), sowie der Rat an die Europäer, sich auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine zu konzentrieren (19. Januar) — verstärken das Risiko von Unsicherheit. Das ist nicht unbedingt eine direkte Bedrohung, aber ein Signal, dass die strategische Stabilität unter den Druck politischer Rhetorik geraten könnte.

Was als Nächstes passieren könnte und welche Schritte logisch sind

Analysten, die in diesem Zusammenhang befragt wurden, weisen auf mehrere realistische Folgen hin: die Stärkung diplomatischer Kanäle innerhalb der NATO, die Demonstration europäischer Einheit hinsichtlich der territorialen Integrität Dänemarks und Grönlands sowie erhöhte Aufmerksamkeit für die arktische Präsenz und Logistik. Für die Ukraine bleibt dabei die zentrale Frage, ob dieses Thema die Partner von einer konsequenten Unterstützung im Konflikt mit Russland ablenken könnte.

Rhetorik kann Reaktionen anstoßen, und Reaktionen können zur Eskalation führen. Nun sind die Partner am Zug: Werden die Aussagen in konkrete Schritte umgesetzt — Verstärkung der Präsenz in der Arktis, rechtliche Garantien, Verteidigungskoordination — oder bleiben sie bloße Worte? Davon wird abhängen, wie schnell es gelingt, potenzielle Krisen zu entschärfen, ohne die weitergehenden Interessen Europas und die Sicherheit der Ukraine zu gefährden.

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