Kurz
Ein Bundesgericht hat die Agentur für globale Medien (USAGM) verpflichtet, die Arbeitsplätze von mehr als 1.000 Beschäftigten wiederherzustellen und den Großteil der internationalen Sendungen von Voice of America wieder aufzunehmen. Über die Entscheidung berichtet The Washington Post. Für die Ukraine ist das wichtiger, als es auf den ersten Blick scheint: Es geht um den Erhalt einer alternativen Informationsquelle im Kampf gegen Desinformation und parteipolitische Einflussnahme.
Was das Gericht entschieden hat
Nach Angaben der Medien urteilte der Bundesrichter Royce Lamberth, dass die nahezu vollständige Schließung der USAGM „gegen das föderale Verwaltungsrecht verstößt“ und ordnete an, das Stammpersonal bis zum 23. März wieder einzustellen. Die Beschäftigten hatten sich im vergangenen Jahr in bezahltem Verwaltungsurlaub befunden, während die Administration von Präsident Donald Trump versuchte, die Arbeit der Agentur auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum zu reduzieren.
„die nahezu vollständige Schließung der Agentur für globale Medien ... verstößt gegen das föderale Verwaltungsrecht.“
— Royce Lamberth, Bundesrichter
Kontext: Wettbewerb der Medienplattformen und Risiken parteipolitischer Einflüsse
Die Entscheidung des Gerichts ist vor dem Hintergrund des raschen Wachstums konservativer Medienplattformen zu lesen. Insbesondere das Auftreten des Senders Newsmax in Kiew und dessen Positionierung als „Megafon“ von Trump-Anhängern hat Befürchtungen über informelle Einflussnahme geweckt. Über die Risiken eines solchen Eindringens schrieb LIGA.net. Zugleich forderte Elon Musk am 9. Februar 2025 die Schließung von Radio Free Europe/Radio Liberty und Voice of America, und am 14. März unterzeichnete Trump eine Anordnung zur Kürzung mehrerer Agenturen, darunter auch der USAGM.
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Voice of America und andere internationale Sender der USAGM sind ein Instrument der Soft Power der USA: Sie liefern unabhängige Berichterstattung, Gegenmedien gegen Desinformation und Zugang zu verlässlichen Informationen für Publikum in russisch geprägten Einflusszonen. Die Wiederherstellung der vollen Funktionsfähigkeit der Agentur verringert das Risiko der Dominanz einer parteilichen Narrativlinie und erhält einen alternativen Kommunikationskanal, der auch für ukrainische Medienkonsumentinnen und -konsumenten von Bedeutung ist.
Vorgeschichte und praktische Folgen
Am 30. September hatte ein Gericht vorübergehend die Entlassungspläne der Administration ausgesetzt, doch die nun ergangene endgültige Entscheidung verpflichtet zur Wiederaufnahme von Sendungen und Personal. Praktisch bedeutet das: Wiederanlauf redaktioneller Prozesse, Rückkehr von Journalisten zum internationalen Sendebetrieb und schnellere Reaktionen auf informationelle Herausforderungen weltweit, einschließlich des Kriegs in der Ukraine.
Was als Nächstes passieren könnte
Die USAGM könnte die Entscheidung anfechten oder juristische Wege suchen, die Kürzungen in anderer Form durchzusetzen; gleichzeitig verschafft die Wiederbelebung der Sendetätigkeit Zeit und Ressourcen, die Präsenz auf Schlüssel-märkten wiederherzustellen. Für die ukrainische Seite ist es wichtig, nicht nur die juristischen Auseinandersetzungen zu beobachten, sondern auch die tatsächliche Qualität und Reichweite der Sendungen — denn Wirkung bemisst sich nicht an Verordnungen, sondern an Publikum und Vertrauen.
Fazit. Die Gerichtsentscheidung ist ein vorläufiger Sieg für den Erhalt eines institutionellen Informationskanals. Der nächste Schritt liegt bei den amerikanischen Institutionen: Erklärungen müssen in wiederaufgenommene Programme und eine dauerhafte Präsenz im weltweiten Äther münden, was sich unmittelbar auf die Informationssicherheit der Ukraine auswirkt.
Quellen: The Washington Post, LIGA.net, offene Gerichtsunterlagen.