Was passiert ist
Argentinien meldete den größten jährlichen Überschuss im Handel mit Energieträgern seit mindestens 1992: Im Jahr 2025 überstiegen die Exporte die Importe um 7,8 Mrd. US-Dollar. Diese Angaben nennt das argentinische Energieministerium in Mitteilungen, die von Bloomberg zitiert werden; das seit 1992 geführte Statistikregister wurde von der Beratungsfirma Empiria aus Buenos Aires analysiert.
„Argentinien verzeichnete den größten jährlichen Überschuss im Handel mit Energieträgern seit mindestens 33 Jahren.“
— Bloomberg, mit Verweis auf das argentinische Energieministerium
Warum das passiert ist
Als Schlüsselfaktor gilt das rasche Wachstum der Förderung im Schieferbecken Vaca Muerta — einer der drei größten Schieferformationen der Welt. 2025 stieg der US‑Akteur Continental Resources unter der Führung von Harold Hamm aktiv in das Projekt ein und schloss eine Reihe von Vereinbarungen: den Erwerb von 90 % der Anteile von Pluspetrol am Block „Los‑Toldos II Oeste“ (10 % verblieben bei Gas y Petróleo del Neuquén) sowie eine Vereinbarung über 20 % Beteiligungen an vier weiteren Schlüsselblöcken, bei denen Pan American Energy als Betreiber erhalten bleibt.
Continental Resources kündigte Pläne an, bis zu 200 Mio. US-Dollar pro Jahr in argentinische Assets zu investieren und amerikanische Technologien des Fracking sowie Feldmanagements anzuwenden — Faktoren, die dem Exportwachstum Auftrieb gaben.
„Der Einstieg von Continental in Vaca Muerta war ein wichtiger Meilenstein für den argentinischen Energiesektor und ein Indikator für das Vertrauen internationaler Investoren.“
— Forbes Argentina
Was das für die Ukraine bedeutet
Erstens ist es ein Beispiel dafür, wie technologische Investitionen und eine Politik der Offenheit für Kapital die Handelsbilanz schnell verändern können. Zweitens zeigt der argentinische Fall, dass Ressourcen allein nur die halbe Miete sind: Es braucht Geologie, Investitionen, Betreiber und einen klaren Rechtsrahmen.
Die Ukraine verfügt über eigene potenzielle unkonventionelle Vorkommen: Vorläufige Schätzungen nennen einen möglichen Ressourcenumfang von 280–350 Mio. Tonnen im Dnepr‑Donets‑Becken. Diese Zahlen sind jedoch vorläufig: Zur Bestätigung sind umfangreiche geologische Erkundungen und Bewertungen der Reife der organischen Gesteine notwendig.
Die Lehre für uns lautet also: Potenzial ist vorhanden, aber um es in energetischen und wirtschaftlichen Nutzen zu verwandeln, braucht es drei Elemente — präzise Daten, technologische Partner und eine Investitionspolitik, die wirtschaftliche Attraktivität mit transparenten Umweltstandards verbindet.
Fazit
Argentinien hat gezeigt: Zielgerichtete Investitionen im Schiefersektor können rasch Devisenzuflüsse bringen und die Abhängigkeit von Energieimporten verringern. Für die Ukraine ist das kein Rezept im Reinzustand, sondern ein Beispiel für eine mögliche Entwicklung — von der geologischen Idee bis zum realen Überschuss. Die praktische Frage bleibt: Schaffen wir die Bedingungen, damit Investoren mit Technologien kommen und der Staat mit Daten und Regeln aufwartet, die sowohl Effizienz als auch Sicherheit gewährleisten?