Was passiert ist
Der Generalstaatsanwalt der Ukraine Руслан Кравченко teilte nach Gesprächen mit seiner spanischen Kollegin Teresa Peramato mit, dass Kiew die Einrichtung einer gemeinsamen internationalen Ermittlungsgruppe (Joint Investigation Team, JIT) im Fall der Ermordung von Andrij Portnow durchsetzen konnte. Portnow wurde am 21. Mai 2025 in der Nähe von Madrid erschossen — der Vorfall ereignete sich, als er Kinder zur Schule brachte.
Die Position der Ukraine und die Funktionsweise des JIT
Das JIT-Format bedeutet keine deklarative Teilnahme, sondern den Austausch von Beweismitteln, gemeinsame Vernehmungen von Zeugen und die Koordinierung prozessualer Schritte zwischen Staatsanwälten mehrerer Staaten. Laut Кравченко ist es für die Ukraine wichtig, «alle Umstände des Vorfalls festzustellen: von den Vollstreckern und Organisatoren bis zum weiteren Kontext dieses Verbrechens» — das schließt rechtliche und operative Aspekte ein, die über das reine Strafverfahren hinausgehen.
„Es ist uns gelungen, die Kolleginnen und Kollegen von der Notwendigkeit der Einrichtung einer gemeinsamen internationalen Ermittlungsgruppe zu überzeugen und die strategische Rolle der Ukraine als Partner in dieser Untersuchung zu bestätigen.“
— Руслан Кравченко, Generalstaatsanwalt der Ukraine
Wesentliche Fakten
Kurz zu dem, was bereits bekannt ist und warum das wichtig ist:
• Tatbestand: Portnow wurde am 21. Mai 2025 in einem gehobenen Vorort von Madrid erschossen.
• Geheimhaltung: Die Agentur EFE berichtete, dass die spanischen Ermittlungen in der Anfangsphase unter Verschluss gehalten wurden.
• Festnahme eines Verdächtigen: Am 25. Februar wurde in Deutschland einer der Beschuldigten festgenommen; die deutsche Staatsanwaltschaft prüft ein Auslieferungsersuchen.
• Verdächtige und Herkunft: Nach Angaben von «Українська правда» erscheinen in den Listen die Brüder Azizov, gebürtig aus der Oblast Donezk. «Радіо Свобода» weist darauf hin, dass einer der Festgenommenen die russische Staatsbürgerschaft besitzt, beim anderen bestehen Verdachtsmomente hinsichtlich ungültiger Dokumente.
Was das praktisch bedeutet
Ein JIT kann den Prozess der Beweiserhebung beschleunigen und deren Nutzung vor Gericht zwischen den Zuständigkeiten kohärenter machen. Für die Ukraine ist das zudem ein wichtiges politisch-rechtliches Signal: Ein Fall, der einen einflussreichen prorussischen Akteur auf internationalem Terrain betrifft, wird mit Beteiligung Kiews behandelt und nicht nur als innerstaatlicher ausländischer Vorfall.
Mögliche Folgen
Analysten weisen darauf hin, dass die Einrichtung eines JIT die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Auslieferung und des Nachweises der Beteiligung der Organisatoren erhöht, sofern die Beweise zügig und korrekt dokumentiert werden können. Außerdem sendet es ein Signal: Ukrainische Strafverfolgungsbehörden sind in der Lage, diplomatischen Druck in prozessuale Instrumente umzuwandeln, die nötig sind, um Gerechtigkeit herzustellen.
Nun liegt der Ball bei den europäischen Partnern: In den nächsten Wochen ist mit der Abstimmung über die Zusammensetzung des JIT, mit Anfragen zur Übermittlung von Unterlagen und mit Entscheidungen über Auslieferungen aus Deutschland zu rechnen. Gleichzeitig berichten weiterhin EFE, LIGA.net, «Українська правда» und «Радіо Свобода» über den Fall, was öffentliche Kontrolle hinzufügt und die Anforderungen an die Transparenz des Verfahrens erhöht.
Fazit: Das ist nicht nur ein Strafverfahren — es ist ein Test für die Fähigkeit der Ukraine, als gleichberechtigter Partner im internationalen Justizwesen zu agieren. Nicht nur das Ergebnis der konkreten Untersuchung, sondern auch ein Präzedenzfall für die Zusammenarbeit in Fällen, die Grenzen und Sicherheitsinteressen unseres Landes überschreiten, hängt davon ab, wie gründlich und schnell das JIT arbeitet.