Der Anteil ukrainischer Medikamente ist auf 55 % gefallen — was das für Patienten und die heimische Pharma bedeutet

Im Jahr 2025 verkauften Apotheken mehr importierte als ukrainische Medikamente — das ist längst nicht mehr nur ein Markt, sondern wirkt sich auf die Verfügbarkeit von Arzneimitteln, die Wirtschaft der Branche und die staatliche Politik aus.

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Kurz: Zahlen, die die Spielregeln verändern

Laut dem Analyse‑System PharmXplorer (Proxima Research) und dem Wochenmagazin «Аптека» sank der Anteil inländischer Produkte am Apothekenumsatz von 57,6% im Jahr 2024 auf 55,2% im Jahr 2025. Die Marktbewegung — mehr Import sowohl wertmäßig als auch mengenmäßig — erfolgt gleichzeitig mit einem Anstieg des gesamten Verkaufsvolumens.

Was passiert ist und warum das wichtig ist

Die gesamten Apothekenumsätze stiegen 2025 um 14% auf 221,9 Mrd. UAH (wertmäßig in Dollar +9,8% — 5,3 Mrd. $). Im mengenmäßigen Ausdruck gingen die Verkäufe jedoch um 2,1% zurück — auf 1,3 Mrd. Packungen. Das heißt: Der Geldumsatz wächst unter dem Einfluss teurerer Kategorien und Wechselkurseffekten, während die physischen Mengen sinken.

Wo sich der Spielraum für Importe auftut

Treiber ist vor allem das Segment der Nahrungsergänzungsmittel (NEM), das das höchste Wachstum zeigt: +24,8% wertmäßig und +3,4% mengenmäßig. Der Anteil der NEM an der Marktstruktur betrug 12,3% wertmäßig und 9,5% mengenmäßig. Das erhöht den durchschnittlichen Preis pro Packung am Markt: NEM — 227 UAH, Arzneimittel — 213,5 UAH, Kosmetik — 182,4 UAH, Medizinprodukte — 47,1 UAH.

Wettbewerbs- und Verfügbarkeitsfragen

Das Antimonopolkomitee der Ukraine (АМКУ) eröffnete im Oktober 2025 ein Verfahren gegen die fünf größten Apothekenketten (АНЦ, «Доброго дня», «9-1-1», «Подорожник», «Бажаємо здоров’я»), die 64% des Einzelhandelsumsatzes kontrollieren und 42% der Apothekenstandorte besitzen. In dem Verfahren wird geltend gemacht, dass seit Februar 2025 in Apotheken die Verfügbarkeit von Arzneimitteln dreier ukrainischer Hersteller trotz stabiler Nachfrage zurückgegangen sei.

"Der Rückgang der Verfügbarkeit von Arzneimitteln dreier ukrainischer Hersteller trotz stabiler Nachfrage könnte auf eine gezielte Einschränkung des Verkaufs bestimmter Medikamente hindeuten, was dem Gesetz zum Schutz des wirtschaftlichen Wettbewerbs widerspricht."

— Antimonopolkomitee der Ukraine

Reaktion der Behörden und Folgen für den Markt

Mitte Januar 2026 beauftragte das Ministerkabinett das Gesundheitsministerium und den Staatlichen Dienst für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (Держпродспоживслужба), die Preisaufsicht in Apotheken zu verstärken und die Einhaltung von Aufschlägen zu überwachen. Das ist eine direkte Antwort auf das Risiko, dass steigende Importe und Marktkonzentration die Verfügbarkeit und die Preise für Endverbraucher bedrohen.

Was das für Patienten und die Branche bedeutet

Für Patienten: Die Kosten der Behandlung könnten steigen oder weniger vorhersehbar werden, wenn das Angebot günstigerer heimischer Arzneimittel schrumpft. Für die Pharmaindustrie: Der Rückgang des Anteils im Apothekennetz ist ein Signal, Vertriebswege, Preispolitik und die Zusammenarbeit mit dem Staat zu überdenken, um die Regalpräsenz zu sichern und Krankenhäuser sowie Apotheken mit dem notwendigen Sortiment zu versorgen.

Kurzer Ausblick

Führen staatliche Kontrollen und kartellrechtliche Untersuchungen zur Wiederherstellung des Wettbewerbs, könnte sich der Anteil heimischer Hersteller stabilisieren. Andernfalls besteht das Risiko einer verstärkten Importabhängigkeit und eines Arbeitsplatzverlusts in der Pharmaindustrie. Das ist nicht nur eine Marktfrage: Es geht um nationale wirtschaftliche Resilienz und die Zugänglichkeit medizinischer Versorgung.

Quellen: PharmXplorer (Proxima Research), Wochenmagazin «Аптека», Mitteilungen des Antimonopolkomitees der Ukraine, Beschluss des Ministerkabinetts (Januar 2026).

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