Ekholm: Das Streben der EU nach technologischer „Souveränität“ kann zu teureren Netzen und einer Schwächung des Bündnisses führen.

Der CEO von Ericsson warnte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, dass übereilte Schritte zur technologischen Selbstversorgung Europas die Preise in die Höhe treiben und Washington vor den Kopf stoßen könnten — warum das für die Sicherheit und die Wirtschaft der Ukraine und der EU wichtig ist.

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Zur Aussage und zur Quelle

Der Vorstandsvorsitzende des schwedischen Konzerns Ericsson, Börje Ekholm, rief in einem Interview mit Bloomberg beim Weltwirtschaftsforum in Davos zur Vorsicht in der Debatte um die technologische Souveränität der EU auf. Er ist der Ansicht, dass Europa heute nicht in der Lage ist, technologisch völlig autark zu sein, und dass übereilte Entscheidungen wirtschaftliche und politische Folgen haben könnten.

„Die ganze Rhetorik über Souveränität in Europa ist gefährlich. Ich glaube nicht, dass Europa heute die Möglichkeit hat, souverän zu sein.“

— Börje Ekholm, CEO von Ericsson

Technische Realität: warum die EU nicht innerhalb eines Jahres eigenständig sein wird

Ekholm verweist auf Marktindikatoren: In den vergangenen Jahren hat Huawei seinen Anteil am europäischen Segment für Telekommunikationsausrüstung erhöht, und zwar trotz Beschränkungen in einzelnen Ländern. Auf der anderen Seite stehen Ericsson und Nokia, die traditionell westliche Alternativen liefern. Der Austausch eines gesamten Ökosystems, von Lieferketten und Standards ist jedoch keine Frage weniger politischer Entscheidungen, sondern erfordert Jahre an Investitionen in Produktion, F&E und Skalierung.

Wirtschaftliche Kosten und politisches Risiko

Der Austausch importierter Lösungen gegen „europäische“ kann die Kosten für den Ausbau von 5G-Netzen und kritischen Diensten erhöhen, da die Wettbewerbsfähigkeit und die Skaleneffekte geringer sein könnten. Ekholm warnt ausdrücklich vor steigenden Preisen in der EU und vor einer möglichen weiteren Entfremdung der USA — unter Berücksichtigung der jüngsten handelspolitischen Spannungen, die in Davos thematisiert wurden.

Was das für die Ukraine bedeutet

Für die Ukraine sind diese Fragen nicht abstrakt. Zuverlässige und erschwingliche Telekommunikationsnetze sind das infrastrukturelle Fundament der Verteidigungsfähigkeit, der wirtschaftlichen Erholung und der digitalen Transformation. Eine Zersplitterung der Ansätze unter den Verbündeten kann Interoperabilität, Versorgung und gemeinsame Cybersicherheitsstrategien erschweren. Das Streben der Partner nach „Autarkie“ sollte daher mit praktischen Garantien für Zugänglichkeit und den Schutz unserer Kommunikation einhergehen.

Mögliche Entwicklungsszenarien

Analysten heben drei Szenarien hervor: 1) pragmatische Kombination — ein gemischtes Lieferantenmodell und strengere Sicherheitsstandards; 2) isolationistischer Weg — langsames und kostspieliges Wachstum einer europäischen Industrie; 3) Eskalation der Handelsspannungen zwischen EU und USA, die die Koordination in militärischen und zivilen Projekten erschweren würde. Ekholm fordert, einen „Weg zu finden, zusammenzuarbeiten“, und betont die Bedeutung des transatlantischen Dialogs.

„Wir müssen einen Weg finden, zusammenzuarbeiten“

— Börje Ekholm, CEO von Ericsson

Fazit

Ekholms Aussage ist kein Widerspruch zum Streben nach Unabhängigkeit, sondern eine Erinnerung an die nötigen Kompromisse: Sicherheit, Effizienz und Kosten müssen Hand in Hand gehen. Für die Ukraine ist entscheidend, dass europäische Entscheidungen die gemeinsame Fähigkeit der Verbündeten, interoperable und erschwingliche Kommunikationssysteme bereitzustellen, nicht schwächen. Nun sind die politischen Entscheidungsträger gefordert: Können sie strategische Autonomie mit praktischer Zusammenarbeit verbinden, die sowohl Märkte als auch die Sicherheit der Verbündeten stärkt?

Quelle: Bloomberg; zusätzliche Kontexte — Marktbewertungen von Ericsson und Nokia sowie öffentliche EU-Diskussionen über Risiken für Netze und Anbieter.

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