Was passiert ist
Am 11. März hat Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen bei der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg die Aufforderungen des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, die Sanktionen gegen russische Energieträger nach dem weltweiten Preissprung infolge von Vorfällen in der Straße von Hormus vorübergehend aufzuheben, offen zurückgewiesen.
Laut von der Leyen sei in den ersten zehn Tagen der Gaspreis um 50% und der Ölpreis um 27% gestiegen, was den europäischen Steuerzahlern bereits rund 3 Mrd. € an Zusatzkosten für den Import fossiler Brennstoffe beschert habe.
"Das ist der Preis unserer Abhängigkeit. Wir haben eigene Energiequellen – Erneuerbare Energien und Kernenergie. Deren Preise sind in den vergangenen zehn Tagen unverändert geblieben"
— Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission
Orban-Position und geopolitischer Kontext
Am 9. März forderte Viktor Orbán, die Sanktionen gegen russische Brennstoffe vorübergehend auszusetzen und begründete dies mit dem raschen Preisanstieg. Die ungarische Regierung pflegt weiterhin enge Energiebeziehungen zu Russland; gemeinsam mit der Slowakei haben diese Länder die Lieferungen russischen Öls und Gases nach dem 24. Februar 2022 nicht nur beibehalten, sondern sogar erhöht.
Von der Leyen stellte einen direkten Zusammenhang mit der Geopolitik her: Der Iran, der während der großangelegten Invasion in die Ukraine Russland Unterstützung geleistet habe, stehe im Zentrum der neuen Eskalation, die die Energiemärkte getroffen habe.
"Manche behaupten, wir sollten von unserer langfristigen Strategie abrücken und sogar zu russischen fossilen Brennstoffen zurückkehren. Das wäre ein strategischer Fehler"
— Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission
Risiken für die Ukraine und die EU
Eine kurzfristige Aufhebung der Sanktionen könnte Entlastung auf dem Kraftstoffmarkt bringen, würde aber zugleich die Abhängigkeit wiederbeleben und die einheitliche Position der EU in der Unterstützung der Ukraine untergraben. Für die Ukrainer ist das nicht nur eine Frage der Kraftstoffpreise – es geht um politische Unterstützung auf lange Sicht. Laut LIGA.net sind die Preissteigerungen auch in der Ukraine spürbar, und innenpolitische Veränderungen in den Nachbarstaaten könnten unsere Sicherheit beeinflussen.
Wie geht es weiter?
Die Entscheidung der Europäischen Kommission ist eine Wette auf Diversifizierung und auf die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems, nicht auf temporäre Erleichterungen. Die Frage ist nun, ob die EU-Partner, die stärker von russischen Lieferungen abhängig sind, dem Druck standhalten werden. Für die Ukraine ist das ein Signal: Die pro-europäische Integrationsbereitschaft und die energetische Unabhängigkeit der Partner wirken sich unmittelbar auf unsere Fähigkeit aus, dem Aggressor zu widerstehen.
Analysten warnen: Kurzfristige politische Vorteile gleichen strategische Verluste nicht aus. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die Erklärungen in konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Energie‑Resilienz und zur Wahrung der Sanktions‑Einheit münden.