Was passiert ist
Politico berichtet unter Berufung auf zwei EU-Diplomaten, dass ein Kredit in Höhe von €90 Mrd. für die Ukraine selbst im Falle einer Blockade durch Ungarn und die Slowakei gesichert werden könnte. Grund der Auseinandersetzung ist der Transit russischen Öls durch die Ölpipeline „Druzhba“, die durch einen russischen Schlag beschädigt wurde; Budapest zweifelt an der technischen Darstellung und wertet die Wiederaufnahme des Transits als politische Entscheidung Kiews.
„Die Ukraine wird einen Kredit von der Europäischen Union erhalten, selbst wenn Ungarn und die Slowakei ihn blockieren.“
— Politico, unter Berufung auf zwei EU-Diplomaten
Plan B: Wer und wie viel
Falls es nicht gelingt, die Premierminister Viktor Orbán und Robert Fico zu überzeugen, sollen mehrere baltische und nordische Länder bereit sein, eine vorübergehende finanzielle Brücke zu schlagen — etwa €30 Mrd. in Form bilateraler Kredite. Da es sich um bilaterale Abkommen handelt, würden sie keiner formalen Zustimmung der gesamten EU bedürfen und damit das Veto als Blockadeinstrument entwerten.
„Meine Regierung hat die Möglichkeit vorgesehen, bilaterale Unterstützung in Höhe von €3,5 Mrd. pro Jahr bis 2029 zu leisten.“
— Eelco Heinen, Finanzminister der Niederlande (Berichte vom 10. März)
Konstruktion des Kredits und grundlegende Bedingungen
Der offizielle Beschluss des Europäischen Rates vom 18. Dezember sieht ein vergünstigtes Darlehen von €90 Mrd. für 2026–2027 vor, das über gemeinsame EU-Anleihen aufgenommen werden soll (ohne Beteiligung Tschechiens, Ungarns und der Slowakei). Die Bedienung der Schulden soll aus den jährlichen EU-Haushalten gedeckt werden — voraussichtlich etwa €1 Mrd. im Jahr 2027 und rund €3 Mrd. jährlich ab 2028. Die Rückzahlung der Hauptsumme sollte von Einnahmen in Form von Reparationen Russlands abhängen.
Was das für die Ukraine bedeutet
Erstens geht es um ein kritisches Liquiditätspolster für die ersten Monate — genau das, was es ermöglicht, Gehälter zu zahlen, Munition zu kaufen und die Frontlogistik aufrechtzuerhalten. Zweitens verringern bilaterale Kredite von Partnern die Möglichkeit, dass ein oder zwei Stimmen die Finanzierung in einem entscheidenden Moment blockieren.
Aber es ist kein vollständiger Ersatz: Das bilaterale Paket von €30 Mrd. ist ein temporäres Instrument, das die langfristigen Fragen des Wiederaufbaus nach dem Krieg oder den Mechanismus zur Rückzahlung der Hauptsumme ohne Reparationen aus Russland nicht löst.
Fazit
Plan B verschafft der Ukraine Zeit und verringert das politische Risiko, Geld als Druckmittel zu verwenden. Das zentrale Problem bleibt jedoch politischer Natur: Werden die vorläufigen Vereinbarungen und Versprechen in unterzeichnete Verträge und reale Tranchen umgesetzt? Die Antwort darauf wird bestimmen, wie nahtlos die finanzielle Unterstützung in den kommenden Monaten ausfallen wird.
Quellen: Politico, Berichte von EU-Diplomaten, LIGA.net, Beschluss des Europäischen Rates (18. Dezember), Erklärungen des niederländischen Finanzministeriums.