Indien verschiebt Handelsabkommen mit den USA: Eine Pause von Bedeutung für den Welthandel

Reuters: Die Unterzeichnung einer vorläufigen Vereinbarung, die für März erwartet wurde, könnte um mehrere Monate verschoben werden — ein Signal für den Druck der USA und die Unsicherheit in der Tarifpolitik.

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Фото: EPA / FRANCIS CHUNG

In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen. Laut Reuters plant Indien, die Unterzeichnung eines vorläufigen Handelsabkommens mit den USA um einige Monate zu verschieben — was bis vor Kurzem noch als eine Angelegenheit des März galt, hat nun an Schwung verloren.

Warum die Unterzeichnung verschoben wird

Vier indische Gesprächspartner teilten Reuters mit, dass der entscheidende Auslöser die Initiative des Büros des Handelsbeauftragten der USA (USTR) war: Am 11. März leitete es Untersuchungen zu den Handelspraktiken mehrerer Länder, darunter Indien, wegen des Verdachts auf strukturelle Überproduktion in Industriebranchen. Das schuf zusätzlichen politischen und verhandlungstechnischen Druck.

Den Gesprächspartnern zufolge verlor der Prozess auch an Dynamik nach einer Entscheidung des Obersten US-Gerichts Ende Februar über Zölle der Trump-Administration, und die geopolitische Aufmerksamkeit Washingtons sei, so ihre Aussage, durch Ereignisse rund um den Iran abgelenkt worden.

"Wir haben es nicht eilig, irgendein Abkommen zu unterzeichnen. Die neue Untersuchung ist eine Drucktaktik, um Länder nach dem Gerichtsurteil zum Unterzeichnen zu bewegen. Das ist ein Schraubenschlüssel im Kopf."

— eine Quelle, die mit Reuters sprach

Positionen der Parteien und Risiken

Offiziell erklärt das Handelsministerium Indiens, dass die bilateralen Konsultationen andauern, und ein Vertreter des Weißen Hauses bestätigte ebenfalls, dass die USA an einem Abschluss des Abkommens arbeiten. Reuters-Gesprächspartner sagen jedoch, die indische Seite habe derzeit die Taktik des "Abwartens und Beobachtens" in Bezug auf die künftige Tarifpolitik Washingtons gewählt.

"Beide Seiten arbeiten weiterhin an einem gegenseitig vorteilhaften Handelsabkommen."

— Sprecher des Handelsministeriums Indiens

Der Kontext ist wichtig: Im August 2025 verhängte die Trump-Administration zusätzliche Zölle von 25 % gegen Indien (in der Folge erreichte der Gesamtsatz 50 %) als Strafe für den Einkauf russischen Öl. Am 2. Februar berichtete Trump über angeblich getroffene Vereinbarungen mit Premierminister Modi zur Einstellung der Käufe russischen Öls; im Zuge dessen senkten die USA den gegenseitigen Zollsatz für Indien von 25 % auf 18 %, und Indien habe, so Washington, schrittweise Senkungen von Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zugesagt.

Was das für die Welt und für die Ukraine bedeutet

Die Pause rund um das Abkommen ist mehr als eine technische Verzögerung. Sie signalisiert, dass in Washington Handelsuntersuchungen als Verhandlungsdruckinstrument eingesetzt werden. Für Länder mit komplexen logistischen und energetischen Verflechtungen, darunter die Ukraine, bedeutet das potenzielle Instabilität in Lieferketten und Kosten für die Anpassung an neue Zollrisiken.

Die Ukraine sollte nicht nur auf den Wortlaut der Abkommen achten, sondern auch darauf, wie sie zustande kommen: Ob politische Erklärungen zu rechtlich verbindlichen Verträgen werden, die dem Druck von Untersuchungen und veränderten Prioritäten in Washington standhalten.

Nun sind die Partner am Zug: Erklärungen müssen in unterzeichnete Verträge münden, und Unternehmen müssen ihr Risikomanagement an die neue Turbulenz im Welthandel anpassen.

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