In der großen Diplomatie — stille Absprachen
Der Ministerpräsident der Slowakei, Robert Fico, veröffentlichte am 12. März einen offenen Brief an Präsident Wolodymyr Selenskyj, in dem er auf der Wiederaufnahme des Öltransits durch die Pipeline „Druzhba“ besteht. Die Botschaft erregt Aufmerksamkeit nicht nur wegen wirtschaftlicher Argumente — in der Slowakei leben über 180.000 Ukrainer — sondern auch wegen des Angebots der Europäischen Kommission, mögliche Reparaturen zu finanzieren.
Worum Bratislava bittet
Fico stellte drei zentrale Forderungen: den Transit so schnell wie möglich wiederaufzunehmen; im Falle von Schäden eine Inspektion durch die Europäische Kommission und entsprechend qualifizierte Experten zuzulassen; das Angebot der EK anzunehmen, die Reparatur zu finanzieren, und die slowakischen Reparaturkapazitäten zu nutzen. Unter dem Dokument stehen die Unterschriften der Vorsitzenden von Hlas – SD und SNS, während die Felder für andere Parlamentsparteien leer blieben.
„Das verursacht nicht nur wirtschaftlichen Schaden, sondern schafft auch ernsthafte logistische Probleme. Es handelt sich um eine Entscheidung, die man mit einer einseitigen Einstellung des Gastransits vergleichen kann… Die Slowakei hat gemäß den Entscheidungen der EU und den Ausnahmen von Sanktionen gegen Russland das Recht, weiterhin Öl russischen Ursprungs zu kaufen.“
— Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Die Entscheidung über den Transit berührt drei Ebenen von Interessen: wirtschaftliche (Einnahmen aus Transitgebühren), logistische (Versorgungsrouten für Kraftstoff für die Nachbarländer) und sicherheitsbezogene (Risiko weiterer Angriffe auf Infrastruktur und auf Reparaturbrigaden). Kiew hat bereits Budapest und Bratislava alternative Lieferwege angeboten und betont außerdem, dass bestimmte Schäden an der Pipeline Folgen feindlicher Angriffe seien und Reparaturarbeiten Ziel von Attacken würden.
Folgen und mögliche Szenarien
Wenn die Inspektion der Europäischen Kommission die technische Möglichkeit einer Reparatur bestätigt, würde das eine rechtliche und finanzielle Grundlage für die Wiederaufnahme des Transits schaffen. Ohne klare Sicherheitsgarantien bleibt jede Wiederaufnahme jedoch verwundbar. Für die Ukraine bedeutet das: Inspektionen und Finanzierung akzeptieren — aber nur unter der Bedingung, dass die Reparaturarbeiten geschützt und mit Fragen der Verteidigung und der Nachrichtendienste abgestimmt werden.
Fazit
Ficos Brief stellt eine einfache, aber wesentliche Frage: Werden die europäischen Ankündigungen in praktische Maßnahmen umgesetzt, die die Infrastruktur schützen und zugleich die Sicherheitsrisiken der Ukraine berücksichtigen? Die Antwort hängt von der Koordination zwischen Kiew, Bratislava und Brüssel ab — technischen Inspektionen, der Finanzierung von Reparaturen und vor allem den Sicherheitsgarantien für die Reparaturbrigaden.