Luzern übergibt Schytomyr 13 Trolleybusse — was bedeutet das für die städtische Mobilität?

Eine Schweizer Stadt gibt gebrauchte Trolleybusse ab, darunter drei dreiteilige „Akkordeon“-Gelenkbusse. Wir klären, wann mit ihrer Ankunft zu rechnen ist, welche praktischen Fragen noch zu lösen sind und warum die Initiative nach der Ablehnung eines Kredits der EBRD durch Schytomyr wichtig ist.

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Luzern — Schytomyr: kurz zum Abkommen

Laut Luzerner Zeitung soll die Schweizer Stadt Luzern der ukrainischen Stadt Schytomyr 13 gebrauchte Oberleitungsbusse übergeben: 10 zweiteilige mit einer Länge von 19 Metern und 3 dreiteilige Gelenkbusse („Akkordeons“) von je 25 Metern. Als Initiatoren der Übergabe werden das Staatssekretariat für Wirtschaft der Schweiz (SECO) und die Stadtverwaltung Luzern genannt; die endgültigen Vertragsdetails werden noch abgestimmt.

„Wir bereiten derzeit die endgültige Vertragsfassung vor und klären die letzten Details.“

— Mark Schwegler, Vertreter des Verkehrsunternehmens VBL

Warum das Beachtung verdient: drei praktische Effekte

1) Schnelle Ergänzung des Fahrzeugparks. Für Städte, die ihren Bestand erneuern oder erweitern müssen, sind gebrauchte Fahrzeuge eine realistische Möglichkeit, schneller an Technik zu kommen, als auf langfristige Lieferungen neuer Oberleitungsbusse zu warten.

2) Kosten und finanzielle Flexibilität. In der Regel ist das die günstigere Option im Vergleich zum Kauf neuer Einheiten — ein wichtiger Faktor, nachdem Schytomyr Ende 2025 auf einen Kredit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung zur Modernisierung des Verkehrs verzichtet hatte.

3) Internationale Zusammenarbeit in der Praxis. Das ist kein einmaliger Akt: VBL hat bereits Fahrzeuge nach Chile, Bulgarien und in den Kongo geliefert, was ein Beispiel für ein Modell der Wiederverwendung von Technik aus Europa in Ländern mit begrenzten Mitteln für Modernisierung bietet.

Zeitplan und Logistik

Laut Ausschreibungsunterlagen ist die Lieferung für den Zeitraum zwischen April 2026 und Dezember 2027 geplant. Die Übergabe kann erst erfolgen, nachdem Luzern Ersatz für seinen Bestand erhalten hat: „Unser Verkehrsnetz arbeitet ohne Reserven, daher können wir die Oberleitungsbusse erst übergeben, wenn wir Ersatz erhalten haben“, sagt ein Vertreter von VBL.

„Unser Verkehrsnetz arbeitet ohne Reserven, daher können wir die Oberleitungsbusse erst übergeben, wenn wir Ersatz erhalten haben.“

— Mark Schwegler, Vertreter des Verkehrsunternehmens VBL

Welche Herausforderungen noch gelöst werden müssen

Die Übergabe ist nur der Anfang. Die praktische Umsetzung erfordert: die Anpassung von Depots und Rampen an andere Wagenlängen, die Versorgung mit Ersatzteilen, die Schulung des technischen Personals und die Integration in das bestehende Fahrleitungsnetz. Möglich ist auch die Überstellung eines speziellen Servicefahrzeugs — das würde die technischen Risiken verringern.

Fazit: Kleine Schritte — zur nachhaltigen Mobilität

Das ist keine grundlegende Erneuerung des Verkehrs, aber konkrete, spürbare Hilfe, die die Widerstandsfähigkeit der Stadt stärkt. Nächster Schritt ist, die erhaltenen Einheiten in einen stabilen und wirtschaftlich effizienten Teil des Bestands zu verwandeln: Tarifpolitik, Ressourcen für Wartung und Logistik der Lieferung werden dabei entscheidend sein. Ob dies ein Beispiel für wirksame internationale Unterstützung wird, hängt nicht nur von der Anzahl der Oberleitungsbusse ab, sondern davon, wie schnell und systematisch Schytomyr und seine Partner technische und finanzielle Fragen lösen.

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