MOL hat den Kauf von 56,15 % der NIS vereinbart: Was ändert sich für die Energieversorgung auf dem Balkan?

Ein ungarisches Unternehmen hat eine Vorvereinbarung mit Gazprom Neft über eine Mehrheitsbeteiligung an NIS geschlossen – das Geschäft steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der OFAC und serbischer Regulierungsbehörden. Wir analysieren, welche Risiken und Chancen sich daraus für die regionale Energiesicherheit ergeben.

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Kurz zur Vereinbarung

MOL hat eine verbindliche Vorvereinbarung mit dem russischen Unternehmen „Gazprom Neft“ über den Kauf von 56,15% der Aktien des serbischen Ölunternehmens NIS unterzeichnet. Die Bekanntgabe erfolgte am Montag, dem 19. Januar. Die Vorvereinbarung legt die Schlüsselbedingungen, die Zahlungsfristen für die Durchführung einer gründlichen Prüfung (Due Diligence) fest und sieht die Unterzeichnung des endgültigen Vertrags bis zum 31. März 2026 vor.

„Die energetische Souveränität von Staaten ohne Meereszugang erfordert die Zusammenarbeit starker lokaler Raffinerien, die vorhersehbar und erfolgreich arbeiten, sowie die Beteiligung verlässlicher Partner.“

— Zsolt Hernádi, Vorstandsvorsitzender von MOL

Wer noch mit im Spiel ist

MOL verhandelt mit ADNOC (der staatlichen Ölgesellschaft der VAE) über einen Einstieg als Minderheitsinvestor, während die Kontrollmehrheit erhalten bleiben soll. Auf serbischer Seite hält der Staat rund 29,87%, und der Anteil, der derzeit von Strukturen mit Verbindungen zu Russland kontrolliert wird, beträgt insgesamt 56,15% (44,85% + 11,3%).

Rechtliche Hürden: OFAC und serbische Regulierungsbehörden

Der Abschluss der Transaktion hängt von der Zustimmung des Office of Foreign Assets Control (OFAC) der USA sowie einer Reihe staatlicher und regionaler Behörden in Serbien ab. Die OFAC hat die Frist für die Lizenz, die den Parteien Verhandlungen über den Verkauf des russischen Anteils an NIS gestattet, bereits bis zum 24. März verlängert. Das schafft einen Zeitkorridor für Abstimmungen, garantiert jedoch keine endgültige Genehmigung.

Politische Signale und Absicherungsmechanismen

Im November 2025 erklärten die USA, dass die Sanktionen gegen NIS erst aufgehoben werden, nachdem russische Strukturen vollständig aus dem Kapital der Gesellschaft ausgeschieden sind. Am 26. November bereitete die serbische Regierung eine Nachtragshaushaltsänderung für 2026 vor, die theoretisch eine Verstaatlichung von NIS im Bedarfsfall ermöglichen würde – dies bleibt ein politisches Druckmittel und eine Absicherung gegenüber dem heimischen Publikum.

„Serbien ist auf gutem Weg, seinen Eigentumsanteil um 5% zu erhöhen, und auch ein Ölkonzern aus den VAE könnte einen Anteil erhalten, falls das Geschäft abgeschlossen wird.“

— Dubravka Djedovic-Handanovic, Energieministerin Serbiens

Was das für die Region (und für die Ukraine) bedeutet

Falls die Transaktion zustande kommt, würde dies die direkte russische Präsenz in der Eigentümerstruktur von NIS verringern und die Fortführung der Raffinerie in Pančevo stabilisieren, deren Betrieb MOL zugesichert hat. Für die Länder der Region bietet sich die Chance auf größere Diversifizierung der Lieferungen und auf verstärkte Investitionstätigkeit. Für die Ukraine ist eine Verringerung des russischen Einflusses in der Region ein positives Signal, doch tatsächliche Veränderungen sind erst nach dem endgültigen Abschluss des Geschäfts und der Prüfung der Garantien zur Unabhängigkeit der Unternehmensführung zu erwarten.

Fazit

Die Vorvereinbarung ist ein bedeutender Schritt, doch die Schlüssel liegen in den Händen der Regulierer: OFAC, serbische Behörden und politische Akteure. Nun geht es weniger um die Absichten der Wirtschaft als um die rechtliche und politische Umsetzung: Werden diese Garantien in eine reale Änderung der Eigentümerstruktur und eine Verringerung des russischen Einflusses im Energiesektor auf dem Balkan münden?

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