Was passiert ist
Am 22. Januar hat das Höhere Antikorruptionsgericht (VAKS) eine Sicherungsmaßnahme gegen den Vertrauten des ehemaligen stellvertretenden Leiters des Präsidentenbüros — Андрій Васильєв — angeordnet. Das Gericht beließ die Möglichkeit der Untersuchungshaft mit der Alternative einer Kaution in Höhe von 30 Mio. UAH, teilte die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP) mit. Die Information verbreitete auch das Portal LIGA.net mit Verweis auf Quellen in den Strafverfolgungsbehörden.
Kurz zum Verfahren
Nach Angaben der Ermittlungen geht es in der Sache um möglichen Unterschlag von Mitteln, die im Rahmen des sogenannten „grünen“ Tarifs ausgezahlt wurden. Die Ermittler des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) haben neun Personen Verdachtsmitteilungen zugestellt, darunter der Ex-Stellvertreter des Leiters des Präsidentenbüros Ростислав Шурма, sein Vertrauter Андрій Васильєв und Şhurmas Bruder Олег, sowie Geschäftsführer kontrollierter Firmen und ein ehemaliger Handelsdirektor von Запоріжжяобленерго.
„Dem Beschuldigten als Sicherungsmaßnahme Untersuchungshaft mit der Alternative einer Kaution in Höhe von 30 Mio. UAH auferlegen.“
— Entscheidung des Höheren Antikorruptionsgerichts, 22. Januar 2026
Wie das System gearbeitet haben soll — Ermittlungsergebnisse
Nach Darstellung des NABU übernahm die Gruppe in den Jahren 2019–2020 die Kontrolle über Solarkraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 60 MW im Rajon Василівський der Oblast Saporischschja und schloss Verträge mit dem staatlichen Unternehmen «Гарантований покупець» über den Verkauf von Strom zum „grünen“ Tarif.
Nach dem großangelegten Einmarsch Russlands gerieten diese Gebiete unter Besatzung. Im Sommer 2022 verloren die Anlagen aufgrund beschädigter Hochspannungsleitungen den Anschluss an das ukrainische Energiesystem; ein erheblicher Teil der Produktion wurde de facto von einem Industrieunternehmen verbraucht, das unter Kontrolle der Besatzer steht. Trotz dessen soll die Gruppe dem «Garantierten покупець» falsche Angaben über Erzeugungsmengen und die technische Einsatzbereitschaft der Anlagen übermittelt haben.
Das staatliche Unternehmen zahlte angeblich 141,3 Mio. UAH für Strom, der tatsächlich nicht in das ukrainische Energiesystem eingespeist wurde; die erhaltenen Mittel seien nach Ermittlerauffassung über ein Netz verbundener Firmen zugunsten des Organisators der Machenschaft, dessen Bruders und weiterer Familienangehöriger legalisiert worden.
Wer beteiligt ist und welchen Status sie haben
Hauptfiguren sind der ehemalige stellvertretende Leiter des Präsidentenbüros Ростислав Шурма (zuständig für den Wirtschaftsblock) und sein Vertrauter Андрій Васильєв, derzeitiger Leiter der AT «Геліос». 2021 stand Шурма an der Spitze des Unternehmens, später war Ксенія Шурма Geschäftsführerin, und anschließend übernahm Васильєв die Position. Zu den weiteren Beschuldigten zählen Vertriebsleiter und Eigentümer des Firmennetzwerks.
Im Jahr 2024 entließ der Präsident Шурма aus dem Amt; im Dezember 2025 wurden seine Befugnisse als Mitglied des Aufsichtsrats von Naftogaz vorzeitig beendet. Nach den jüngsten Angaben befindet sich der ehemalige Beamte in Deutschland (Quellen: SAP, NABU, LIGA.net).
Warum das wichtig ist
Die Angelegenheit ist nicht nur ein Strafverfahren gegen einzelne Personen. Sie berührt zwei öffentliche Werte: erstens den Schutz staatlicher Mittel während des Krieges; zweitens das Vertrauen in den Markt für erneuerbare Energien, auf den die Energiewende und die Investitionserwartungen heute setzen.
Analysten und Ermittler weisen darauf hin, dass das System privilegierter Auszahlungen und Entschädigungen während des Krieges besonders anfällig für Missbrauch ist — mögliche Verluste in Höhe von Hunderten Millionen Hrywnja untergraben sowohl die Budgetmöglichkeiten als auch die Investitionsattraktivität der Branche.
Wie es weitergeht
Das VAKS hat die Möglichkeit einer Kautionsgestellung offengelassen — das heißt, die nächsten Gerichtsentscheidungen und der Fortgang der Ermittlungen werden darüber entscheiden, ob es gelingt, die ausgezahlten Beträge an den Staat zurückzuführen und alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. Zu erwarten sind Anträge auf Sicherstellung von Vermögenswerten und Prüfungen der Geldwäscheketten.
Die Strafverfolgungsbehörden müssen nicht nur die Mechanik dieser einzelnen Masche verstehen, sondern auch systemische Schwachstellen bei Zahlungen im Rahmen des „grünen“ Tarifs aufdecken — um Reputation des Marktes und die für den Wiederaufbau des Landes wichtigen Ressourcen zu bewahren. Nun liegt es an den Ermittlungen: Ob es gelingt, die 141,3 Mio. UAH zurückzuholen und derartige Praktiken zu stoppen, ist eine Schlüsselfrage für den Staat und jeden Steuerzahler.
Quellen: Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft, NABU, Entscheidung des VAKS, LIGA.net.