Kurz
Der Staatliche Statistikdienst (Derzhstat) teilte mit, dass er eine Schätzung der Bevölkerungszahl auf Grundlage verfügbarer statistischer Daten und administrativer Register vorbereitet habe, diese aber noch nicht endgültig veröffentliche — die Behörde stimme Format und Zeitpunkt der Veröffentlichung aufgrund der Sensibilität der Informationen mit der Regierung ab. Diese Verzögerung ist kein bloßer technischer Zwischenfall: es geht um Daten, die die Verteilung von Haushaltsmitteln, internationale Hilfe und die Wiederaufbauplanung beeinflussen.
"Wir haben die entsprechenden Berechnungen durchgeführt und eine Schätzung der Bevölkerungszahl auf Basis der vorhandenen statistischen Daten und administrativen Register vorbereitet. Derzeit besprechen wir die Kennzahlen mit der Regierung im Rahmen der interministeriellen Zusammenarbeit, insbesondere Fragen des Formats, des Umfangs und des Zeitpunkts ihrer Veröffentlichung".
— Arsen Makarchuk, Leiter des Staatlichen Statistikdienstes (Derzhstat) (bei der Präsentation des Berichts für 2025)
Warum die Daten nicht sofort veröffentlicht werden
Es gibt mehrere Gründe, warum Derzhstat einen vorsichtigen Ansatz wählt. Erstens der Sicherheitsaspekt: Details zu demografischen Veränderungen und Bevölkerungsbewegungen könnten vom Gegner in einem hybriden Krieg ausgenutzt werden. Zweitens geht es um Methodik und Vertrauen: unter den gegebenen Bedingungen ist die Datenerhebung erschwert, sodass offizielle Zahlen einer zusätzlichen fachlichen Prüfung bedürfen, um das Vertrauen in die Statistik nicht zu untergraben. Drittens bestehen rechtliche Beschränkungen für die Durchführung einer Volkszählung während des Kriegsrechts.
"Das Gesetz verbietet, eine Volkszählung während des Kriegsrechts und mindestens sechs Monate nach dessen Ende durchzuführen. Wir halten uns an diese Vorschrift".
— Arsen Makarchuk, Leiter des Staatlichen Statistikdienstes (Derzhstat)
Was bereits bekannt ist — Zahlen aus offenen Quellen
- 2001 — letzte vollständige Volkszählung: Bevölkerung 48,46 Mio. Personen (damals auf dem gesamten Staatsgebiet).
- 1. Dezember 2019 — Derzhstat schätzte die Bevölkerung (ohne vorübergehend besetzte Gebiete) auf 37,29 Mio.
- Oktober 2024 — die UN schätzte den Bevölkerungsrückgang in der Ukraine infolge des großangelegten Kriegs auf rund 10 Mio. Personen (Schätzung für das gesamte Land).
- Analysten von Forbes Ukraine gehen davon aus, dass auf dem freien Gebiet etwa 30,5 Mio. Menschen verblieben sein könnten (Schätzzahl).
Welche praktischen Folgen
Schon vorläufige Schätzungen verändern die Politik: von der Formel zur Verteilung von Zuschüssen und Sozialleistungen bis zur Planung des Wiederaufbaus der Infrastruktur und zu Haushaltsausgabenprognosen. Demografische Indikatoren beeinflussen außerdem die Verteidigungsplanung, den Bedarf des Gesundheitssystems und den Arbeitsmarkt. Deshalb ist nicht nur die Zahl selbst wichtig, sondern auch das Vertrauen in die Methodik ihrer Erhebung.
Solange eine vollständige Volkszählung gesetzlich während des Kriegsrechts und mindestens sechs Monate nach dessen Ende verboten ist, ist das Land gezwungen, sich auf administrative Register und Expertenbewertungen zu stützen. Das macht die Rolle transparenter unabhängiger Expertendiskussionen — die Derzhstat einzubeziehen plant — zentral für eine fundierte Entscheidungsfindung.
Fazit
Fertige Zahlen sind nicht nur Statistik, sondern ein Instrument für Entscheidungen: von der Anpassung der Haushalte bis zur Planung des Wiederaufbaus. Nun liegt der Ball bei der Regierung und den internationalen Partnern: Werden die veröffentlichten Schätzungen in konkrete Hilfe, Ressourcen und Politik umgesetzt — eine Frage, von der die Geschwindigkeit der Wiederherstellung und die soziale Stabilität abhängen.