BIP 2025: +1,8 % — niedrigster Zuwachs seit drei Jahren, doch das Jahresende gab einen neuen Impuls

Der Staatliche Statistikdienst (Derzhstat) hat eine vorläufige Einschätzung veröffentlicht: Das Jahreswachstum ist bescheiden, doch das vierte Quartal zeigte eine Belebung. Wir erläutern, warum das für die Sicherheit, den Geldbeutel und künftige Investitionen wichtig ist.

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Майдан Незалежності (Фото: EPA / Сергій Долженко)

Kurz — Zahlen und Trend

Das reale BIP der Ukraine ist im Jahr 2025 nach vorläufiger Schätzung des Staatlichen Statistikdienstes um 1,8 % gewachsen. Das nominale BIP betrug 8,93 Billionen Hrywnja (UAH). Das ist der niedrigste jährliche Zuwachs seit drei Jahren, obwohl es gegen Ende des Jahres eine deutliche Belebung gab: 1. Quartal +0,9 %, 2. Quartal +0,7 %, 3. Quartal +2,1 %, 4. Quartal +3 %.

"Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Ukraine ist im Jahr 2025 um 1,8 % gestiegen."

— Staatlicher Statistikdienst der Ukraine

Warum das Wachstum bescheiden bleibt

Die Gründe sind systemisch: Kriegsschäden über vier Jahre haben zu einem Verlust von rund einem Drittel des BIP geführt, die Wirtschaft bleibt abhängig von externer Hilfe, und wiederholte Angriffe auf die Energieinfrastruktur bremsen die Wiederaufnahme von Produktion und Investitionen. Gerade die Kombination aus Sicherheits- und Strukturfaktoren hemmt das Erholungstempo.

"Die Nationalbank hat im Januar ihre Wachstumsprognose für das BIP der Ukraine im Jahr 2026 auf 1,8 % gesenkt wegen der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur."

— Nationalbank der Ukraine

Was die Belebung gegen Jahresende trieb

Wesentliche Impulse waren: die Verschiebung der Ernte ins 4. Quartal, die den Agrarsektor ankurbelte, und die Ausweitung der Haushaltsausgaben. Das schuf temporäre Inlandsnachfrage, doch für eine stabile Erholung sind Investitionen in Logistik, Energiesicherheit und die Instandsetzung der Infrastruktur erforderlich.

Was das für die Ukrainer bedeutet

Allmähliches Wachstum bietet Chancen für die Wiederherstellung von Arbeitsplätzen und Dienstleistungen, birgt aber zugleich Risiken für den Staats Haushalt und erfordert weiterhin externe Mittel. Für die Bürger ist es wichtig, dass internationale Hilfe nicht nur für laufende Zahlungen verwendet wird, sondern auch in Investitionen fließt, die Arbeitsplätze schaffen und die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft stärken.

Prognosen und Hauptrisiken

Die Prognosen variieren je nach Kriegsverlauf. Die Nationalbank hat ihre Erwartungen für 2026 bereits auf 1,8 % angepasst. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung prognostiziert im Basisszenario 2,5 % für 2026 und 4,0 % für 2027 — unter der Voraussetzung, dass der Krieg endet. Folglich ist das Haupt risiko die Dauer des Konflikts und das Volumen der internationalen Unterstützung.

"Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung hat das Basisszenario aktualisiert: Unter der Annahme, dass der Krieg während des Jahres 2026 andauert, prognostiziert die Bank ein reales BIP-Wachstum von 2,5 % im Jahr 2026 und von 4,0 % im Jahr 2027 — sofern der Krieg beendet wird."

— Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD)

Fazit

Die Zahlen für 2025 zeigen, dass eine Erholung stattfindet, diese aber verwundbar ist. Für nachhaltiges Wachstum sind drei Elemente erforderlich: Schutz der Infrastruktur, gezielte Investitionen (öffentlich und privat) und stabile externe Finanzströme. Entscheidend ist nun, Partnererklärungen in unterzeichnete Verträge und Instrumente mit langfristiger Wirkung zu verwandeln. Ob dafür politischer Wille und Mittel ausreichen — bleibt offen.

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