Kurzfassung
Eine Umfrage von Opinia24 für RMF FM (2.–4. Februar 2026, n=1001) stellt fest, dass 52% der Polen jetzt die Wiedereinführung der obligatorischen Wehrpflicht unterstützen ( 31% – kategorisch). Das ist ein deutlicher Sprung im Vergleich zu IBRiS-Daten für Rzeczpospolita im Herbst 2022, als nur etwa 36% dafür waren.
Was die Quellen sagen
"Erstaunliche Stimmungsänderung"
— RMF FM, Kommentar zur Opinia24-Umfrage
Die Umfrage zeigt auch deutliche demografische und politische Unterschiede: stärkere Sympathien für die Wehrpflicht bei Männern (57%), Menschen im Alter von 50–59 Jahren (61%) und Wählern der Partei Recht und Gerechtigkeit (73%). Am stärksten dagegen sind 25–29‑Jährige, Personen mit Hochschulabschluss und Teile der Wählerschaft von Rafał Trzaskowski.
Warum sich die Meinung geändert hat — kurz zu den Ursachen
Der Anstieg der Unterstützung ist nicht im Vakuum entstanden. Einfluss hatten mehrere Faktoren, die auch für die Ukraine wichtig sind:
- Gesteigertes Bedrohungsgefühl — regelmäßige Verletzungen des polnischen Luftraums durch Russland sowie Fälle von Luftballons aus Belarus werden als Teil einer systematischen Aufklärungsstrategie wahrgenommen.
- Politische Reaktionen — Regierung und Opposition kündigen an, ihre Verteidigungsfähigkeiten auszubauen: Beispiel — die Erklärung von Donald Tusk über den Beginn des Aufbaus eines 'Schildes' gegen russische Drohnen.
- Europäischer Kontext — eine Umfrage von Polling Europe (September 2025) zeigte, dass die Mehrheit der Europäer nicht davon überzeugt ist, dass der Kontinent für einen längerfristigen militärischen Konflikt gewappnet ist.
Was das für die Ukraine bedeutet
Die erhöhte Bereitschaft der polnischen Gesellschaft hat mehrere praktische Auswirkungen für die Ukraine:
- Stärkung des Potenzials des Nachbarn — selbst eine partielle Wiedereinführung der Wehrpflicht erhöht die Mobilisierungsressourcen und die Fähigkeit zu längerfristigen Operationen oder zum Schutz des Luftraums.
- Stabilisierung der östlichen NATO‑Flanke — ein stärkeres Polen macht die Region weniger verwundbar und verringert im Falle einer Eskalation die Risiken für die ukrainischen Grenzen.
- Zusammenarbeit und Logistik — die Veränderung der öffentlichen Unterstützung könnte politische und haushaltstechnische Entscheidungen zur Hilfe für die Ukraine und zu gemeinsamen Luftverteidigungs‑/Anti‑Drohnen‑Projekten beschleunigen.
"Polen beginnt, seinen eigenen 'Schild' gegen russische Drohnen zu bauen"
— Donald Tusk, Erklärung vom 30. Januar 2026
Politische Risiken und innere Spaltung
Die Unterstützung der Wehrpflicht korreliert mit wahlpolitischen Präferenzen: Das kann innenpolitische Auseinandersetzungen vertiefen und Gegenstand aktiver politischer Konkurrenz werden. Für die Ukraine ist es wichtig, dass diese Debatten nicht zur Destabilisierung führen, sondern in praktische Verteidigungs‑ und Kooperationslösungen münden.
Kurzprognose
Die Verschiebung hin zur Unterstützung der Wehrpflicht ist ein Indikator dafür, dass die polnische Gesellschaft gewillt ist, auf zunehmende Bedrohungen zu reagieren. Für die Ukraine ist das eine Chance, die Partnerschaft mit einem starken und mobilisierten Nachbarn zu vertiefen, aber auch eine Herausforderung, die Anstrengungen zu koordinieren, damit der gesellschaftliche Wille in konkrete Verteidigungs‑ und Interoperabilitätsprojekte umgesetzt wird.
Solange sich Erklärungen in Budgets und Strukturen verwandeln, bleibt die zentrale Frage: Werden die Partner die öffentliche Unterstützung in effektive Sicherheitsinstrumente umsetzen können, die sowohl dem Schutz der Ukraine dienen als auch den Aggressor abschrecken?