Kurz
Nach Angaben des ukrainischen Auslandsnachrichtendienstes (SZR) plant der Kreml, die Finanzierung der sogenannten «Russischen Häuser» — eines Netzes kultureller Zentren im Ausland — nahezu zu verdoppeln. An der Oberfläche erscheint das als Förderung von Sprache und Kultur, doch die Aufklärung dokumentiert systemische Risiken: Agentenrekrutierung, Manipulation der öffentlichen Meinung und Umgehung europäischer Sanktionen. Diese Informationen sind heute wichtig, weil die Ausweitung des Netzes parallel zu diplomatischen Verhandlungen und Änderungen des regulatorischen Rahmens in der EU stattfindet.
Wie es funktioniert: kulturelle Fassade für subversive Aktivitäten
Offiziell bieten die «Russischen Häuser» Sprachkurse, kulturelle Veranstaltungen und Zertifikate an. Nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste registrieren sie sich zur Umgehung von Sanktionen als eigenständige juristische Personen, formal ohne Verbindung zum sanktionierten «Rossotrudnichestvo». Das verschafft ihnen legalen Zugang zum europäischen Raum und schafft gleichzeitig eine Plattform für Rekrutierung und informationellen Einfluss.
"Wir wissen, dass sie Pläne haben, die Finanzierung all dieser 'Russischen Häuser' nahezu zu verdoppeln. Die russische Sprache ist eines der Hauptprojekte, das weltweit umgesetzt wird."
— Vertreter des Auslandsnachrichtendienstes der Ukraine
Belege und gesellschaftlicher Kontext
Recherchen von LIGA.net zeigen konkrete Beispiele: In Brüssel lockte das «Russky Dom» Studierende mit Kursen und dem Versprechen eines "offiziellen staatlichen Zertifikats", das in der EU tatsächlich keine rechtliche Bedeutung hat. Im November verzeichnete die GUR 169 Personen, die an der Verbreitung russischer Propaganda in der Ukraine und in Europa beteiligt waren — das verdeutlicht, dass das Problem netzwerkartig ist und keine Einzelfälle betrifft.
"Die Schließung dieser Einrichtungen in Europa ist ausschließlich eine Frage des politischen Willens, da die Beweise für ihre subversive Tätigkeit mehr als ausreichend sind."
— Vertreter des Auslandsnachrichtendienstes der Ukraine
Warum das geschieht — einfache Erklärung
Mehrere Gründe in Kurzform: Einfluss + Rekrutierung + Umgehung von Sanktionen. Kultur bietet eine annehmbare Tarnung für Kontakte, Informationsoperationen und das Knüpfen „weicher“ Verbindungen, die später für politische und nachrichtendienstliche Zwecke genutzt werden. Die Verdoppelung des Budgets bedeutet eine größere Präsenz in Städten, mehr Veranstaltungen und mehr potenzielle Kontakte für Rekrutierer.
Was zu tun ist — praktische Schritte
Monitoring und juristische Arbeit: Die EU-Länder müssen die Verbindungen solcher Organisationen zu sanktionierten Strukturen prüfen und Schlupflöcher bei der Registrierung schließen. Diplomatie: Eine koordinierte politische Reaktion der EU und ihrer Verbündeten verstärkt die Wirkung der Sanktionen. Aufklärung: Lokale Regierungen und die Zivilgesellschaft sollten über die Risiken „kultureller“ Projekte informieren, die als Instrumente des Einflusses dienen. Die Ukraine kann transparente Alternativprogramme anbieten und Geheimdienstinformationen mit Partnern teilen.
Fazit
Die Entscheidung des Kremls, mehr in das Netzwerk der «Russischen Häuser» zu investieren, ist nicht nur ein Kulturprojekt, sondern ein strategischer Kanal für Einflussnahme und die Umgehung von Sanktionen. Effektive Gegenmaßnahmen benötigen drei Komponenten: gezielte Aufmerksamkeit der europäischen Institutionen, Koordination zwischen Partnern und gesellschaftliche Sensibilisierung. Ob der politische Wille in den Hauptstädten der EU ausreicht, diese Einflusswege zu unterbinden, ist eine Schlüsselfrage für die Sicherheit der Ukraine und Europas insgesamt.