Fast hundert Drohnen über der Ukraine: Luftabwehr schoss 80 ab, doch in Odessa, Dnipropetrowsk und anderen Regionen gibt es Schäden und Verletzte

In der nächtlichen Attacke setzte Russland 94 Drohnen ein, rund 55 davon waren „Shahed“-Kamikaze-Drohnen. Die Luftabwehr zerstörte die meisten Ziele, doch Trümmer, Brände und Verletzte erinnern daran: die Verteidigung funktioniert, die zivile Infrastruktur ist dennoch verwundbar. Wir analysieren die Lage in den Regionen und was das für Sicherheit und Hilfsbedarfe bedeutet.

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Was bekannt ist

In der Nacht zum 22. Januar registrierten die Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine eine massierte Attacke mit russischen Drohnen — insgesamt 94 Geräte, davon etwa 55 als Angriffs‑«Shahed»-Drohnen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben die ukrainischen Streitkräfte und Flugabwehrsysteme rund 80 Drohnen abgeschossen oder außer Gefecht gesetzt, dennoch führten mehrere Treffer zu Schäden und Verletzten in verschiedenen Regionen.

„In der Nacht zum 22. Januar griff der Gegner mit fast hundert Drohnen an, ein großer Teil waren Angriffs‑»Shahed«-Drohnen. Die Flugabwehrsysteme haben reagiert, aber es gibt Verluste am Boden“

— Luftstreitkräfte der Streitkräfte der Ukraine

Regionale Folgen

Odessa‑Region. Im Odessaer Bezirk traf eine Drohne zwischen dem 18. und 19. Stockwerk eines Hochhauses — es kam nicht zur Explosion, jedoch wurden Fassade, Verglasung und geparkte Fahrzeuge beschädigt. Aus dem Gebäude wurden 58 Personen evakuiert, darunter acht Kinder.

„Aus dem Hochhaus wurden 58 Personen evakuiert, darunter 8 Kinder“

— Олег Кіпер, Leiter der Verwaltungsbehörde der Odessaer Oblast

Dnipropetrowsk‑Region. Bei den Angriffen wurden zwei Personen verwundet; es gab Schäden an Wohnhäusern, einem Bürogebäude und einer Gaspipeline; an mehreren Stellen brachen Brände aus, die von Rettungskräften lokalisiert wurden.

„In der Dnipropetrowsk‑Region wurden infolge der Drohnenangriffe zwei Personen verletzt“

— Staatlicher Dienst für Notsituationen (ДСНС)

Synelnykivskyi Bezirk (Gemeinde Vasylkivka). Eine 82‑jährige Frau wurde verletzt, Wohnbebauung wurde beschädigt; Feuerwehr und Einsatzdienste arbeiteten vor Ort.

Kryvyi Rih. Durch einen Treffer wurde eine 70‑jährige Frau verletzt, ein Privathaus geriet in Brand.

Pavlohrad. In der Stadt wurden Schäden an Privathäusern und Fahrzeugen registriert.

Tschernihiw. Nach Angaben der lokalen Verwaltung stürzte ein «Shahed» ohne Explosion ab — Trümmer wurden am Ort gefunden.

„In Tschernihiw wurde der Absturz eines «Shahed» ohne Explosion festgestellt“

— Дмитро Брижинський, Leiter der Militärverwaltung

Zudem wurde bereits am Abend des 21. Januar auch auf Zaporizhzhia mit Drohnen geschossen — ein Bereich am Parkplatz des Einkaufszentrums «Епіцентр» wurde getroffen.

Analyse und Kontext

Dieser Angriff verdeutlicht mehrere wichtige Punkte. Erstens setzt Russland weiterhin die Taktik massierter Angriffe mit günstigen Angriffs‑BSP (unbemannten Luftfahrzeugen) ein — ein pragmatischer Versuch, die Luftverteidigung zu erschöpfen und Chaos auf ukrainischem Gebiet zu erzeugen. Zweitens signalisiert die Zahl von 80 abgeschossenen von 94 eine hohe Effektivität der Flugabwehr, zeigt aber auch, dass selbst bei erfolgreicher Abwehr Trümmer und nicht vollständig zerstörte Ziele Schäden an zivilen Objekten verursachen.

Verteidigungsanalysten weisen darauf hin, dass in diesem asymmetrischen Krieg nicht nur die Anzahl der abgeschossenen Ziele zählt, sondern auch die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur, die Reaktionsgeschwindigkeit der Dienste und die Fähigkeit, die Folgen von Angriffen zu begrenzen — von Bränden bis zu Schäden an Gas‑ und Stromnetzen.

Auch der finanzielle und logistische Kontext ist relevant: Selbst wenn die Flugabwehr effektiv arbeitet, verursachen Reparaturen, Evakuierungen und medizinische Versorgung fortlaufende Kosten für Gemeinden und Staat. Deshalb bleiben Investitionen in zusätzliche Flugabwehrmittel, Frühwarnsysteme und den zivilen Schutz Priorität.

Wie es weitergeht

Kurzfristig besteht weiterhin das Risiko wiederholter massierter Angriffe: Der Gegner verfügt über die materielle und logistische Fähigkeit, Wellen von Drohnen zu starten. Mittelfristig hat Priorität, die Abwehrkapazitäten der Flugabwehr zu stärken und Ressourcen für die schnelle Wiederherstellung der Infrastruktur vor Ort bereitzustellen. Langfristig sind zusätzliche Systeme, internationale Unterstützung und Investitionen in die Resilienz der Gemeinden erforderlich.

Fazit

Die Flugabwehr hat erneut ihre Leistungsfähigkeit gezeigt — das hat das Ausmaß der Zerstörung reduziert. Aber selbst bei hoher Abfangrate bleiben die Folgen für Menschen und Gebäude real. Ob Partner ihre Ankündigungen in zusätzliche Flugabwehrsysteme und Unterstützung für den Wiederaufbau umsetzen, wird die entscheidende Frage der kommenden Wochen sein.

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