In großen Einsätzen zählen nicht die Schüsse, sondern die Rechnungen
The New York Times berichtet: Iran setzt weiterhin massenhaft die günstigen Shahed-Drohnen ein, und ihre Produktion zu stoppen ist schwieriger als in den USA angenommen. Selbst nach Angriffen auf Fabriken kann ein Teil der Produktionskette in kleinen Werkstätten aus verfügbaren Bauteilen wiederhergestellt werden – das Problem lässt sich also nicht allein durch Angriffe auf Infrastruktur lösen.
Wie es in der Praxis aussieht
Schätzungen zufolge kann Teheran bis zu 90 Drohnen pro Tag starten. Sie sind leicht zu transportieren und zu tarnen – Starts sind direkt von Pickup-Fahrzeugen möglich. Ein Teil der Flugkörper wird von Ländern am Persischen Golf abgeschossen, doch der Rest erreicht die Ziele und verursacht Todesopfer sowie Schäden an der Infrastruktur.
Wirtschaft gegen Technik: die Logik der Erschöpfung
Einer der Gründe für den Erfolg der Shahed ist die geringe Produktionskosten. Eine solche Drohne kostet etwa 35.000 US-Dollar, während zu ihrer Abwehr Raketen und Luftabwehrsysteme im Wert von Millionen Dollar eingesetzt werden. Diese Asymmetrie erlaubt es dem Gegner, die Bestände an Luftabwehrmitteln allmählich zu erschöpfen und Partner dazu zu zwingen, für die Verteidigung viel mehr zu zahlen, als der Angriff kostet.
„Die weltweiten Bestände an Luftabwehrmitteln sind praktisch erschöpft“
— Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall (Interview mit CNBC)
Strategische Dimension: Straße von Hormus und Ölversorgung
Solange Iran die Möglichkeit zu massierten Starts behält, verfügt er über ein Druckmittel auf die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus – einer Schlüsselroute für die globale Energieversorgung. Störungen dieser Verbindung hätten Folgen für die Weltmärkte und für Staaten, die auf stabile Energielieferungen angewiesen sind.
Lehren für die Ukraine: Erfahrung, Expertise, Chancen
Die Ukraine ist bereits an Shahed-Angriffe gewöhnt: Unsere Luftabwehr hat gelernt, gegen solche Systeme effektiver vorzugehen. Der Präsident berichtete, dass 228 ukrainische Expertinnen und Experten gleichzeitig in mehreren Ländern des Nahen Ostens arbeiten, um massiven Angriffen entgegenzuwirken — ein Beispiel für den Transfer von Kampferfahrung und praktischer Expertise.
Gleichzeitig eröffnet die Eskalation im Nahen Osten sowohl Risiken als auch Chancen: Risiken durch steigende Preise und die Überbeanspruchung globaler Bestände an Luftabwehrsystemen; Chancen für die ukrainische Verteidigungsindustrie, die taktische Lösungen, Ausbildungsprogramme und Reparaturkapazitäten anbieten kann.
Fazit — wie geht es weiter?
Das Problem der billigen Massenproduktion von Drohnen ist nicht nur technischer, sondern auch strategischer und wirtschaftlicher Natur. Es erfordert eine Kombination aus: schnellen Lieferungen effektiver Luftabwehrmittel, logistischer Koordination und Aufklärung sowie internationaler Zusammenarbeit, die Erklärungen in konkrete Verträge und Lieferungen verwandelt. Ob die Partner schnell genug reagieren können, damit sich diese Asymmetrie nicht als neue Norm etabliert, ist die entscheidende Frage für die Sicherheit der Region und für die Interessen der Ukraine.