Was passiert ist
Nach Angaben von Politico schlug der Sondergesandte des Kremls Kirill Dmitriev bei einem Treffen am 11. März in Miami den amerikanischen Verhandlern – Steve Witkoff und Jared Kushner – eine Art „Quid pro quo“ vor: Moskau wolle angeblich die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an den Iran (unter anderem Koordinaten von US-Militäranlagen im Nahen Osten) einstellen, im Austausch dafür, dass Washington die Weitergabe von Informationen über Russland an die Ukraine einstellt. Die Vereinigten Staaten lehnten dieses Angebot ab, berichten informierte Gesprächspartner.
Warum die USA „nein“ sagten
Die Entscheidung der USA beruht auf drei praktischen Erwägungen. Erstens ist ein Tausch ohne klare Ausführungs‑ und Verifikationsgarantien ein riskantes Geschäft mit einem unzuverlässigen Partner; das Vertrauen in Moskau ist in solchen Fragen nahe null. Zweitens ist die Aufrechterhaltung der Unterstützung für die Ukraine für Washington nicht nur ein moralischer Akt, sondern ein Element der Abschreckung weiterer Aggressionen. Drittens würde ein Entgegenkommen in diesem Bereich die transatlantische Einheit untergraben und einen Präzedenzfall schaffen, in dem die Interessen Europas und die Sicherheit der Verbündeten in den Hintergrund treten.
„Dieses Angebot ist empörend“
— ein europäischer Diplomat, der mit Politico sprach
Folgen für die Ukraine
Im Kern ist die Entscheidung der USA ein positives Signal für Kiew: Die Frage nach nachrichtendienstlicher Unterstützung wird nicht als Ware in bilateralen Tauschgeschäften behandelt. Das bedeutet, dass die Ukraine darauf vertrauen kann, dass ein Teil der Unterstützung außerhalb geopolitischer Tauschaktionen für andere Schauplätze (zum Beispiel im Nahen Osten) bleibt.
Kontext: Russland, Iran und regionale Sicherheit
Vor dem Hintergrund der Eskalation in den Beziehungen der USA und Israels zum Iran hat Moskau die Zusammenarbeit mit Teheran ausgeweitet – vom Austausch von Geheimdienstinformationen bis zur Lieferung von Technologien für Angriffswaffen, berichtete The Wall Street Journal. Diese Annäherung erhöht die Risiken für amerikanische Streitkräfte in der Region und macht die Angebote Moskaus strategisch bedeutsam, aber unzuverlässig.
„Zwei Drittel der militärischen Aufklärung für die Ukraine liefert derzeit Frankreich“
— Emmanuel Macron, nach Angaben von Quellen, die von Politico zitiert werden
Europäische Diplomaten befürchten, dass derartige Initiativen des Kremls die Haltung des Westens gegenüber Russland spalten könnten. Deshalb ist die Ablehnung durch die USA nicht nur ein taktischer Schritt, sondern auch ein Signal der Bereitschaft, das System multilateraler Garantien für die Unterstützung der Ukraine zu schützen.
Wie geht es weiter
Wahrscheinlich wird Moskau weiterhin Wege suchen, die Positionen von Verbündeten zu beeinflussen. Für die Ukraine ist es wichtig, nicht nur heute Geheimdienstinformationen zu erhalten, sondern die Liefermechanismen langfristig zu verankern – in Form bezahlter langfristiger Verträge, enger Koordination mit Partnern und der Diversifizierung der Informationsquellen. Wie Kyrylo Budanov bereits 2025 betonte, ist das Risiko des Wegfalls bezahlter Geheimdienstverträge kritisch; das Ende unentgeltlicher Hilfe hätte hingegen einen anderen, weniger dramatischen Effekt.
Nun sind die Partner am Zug: Bekenntnisse zur Unterstützung müssen in verbindliche Mechanismen überführt werden, die nicht schnell im Tausch oder unter äußerem Druck zurückgenommen werden können.