Beginn der Serienproduktion und Kontext
MBDA Deutschland meldete den Beginn der Vorbereitungen für die Serienproduktion der Marschflugkörper Taurus NEO. Der Übergang zu diesem Stadium wurde nach dem Abschluss eines Vertrags mit dem Bundesamt für Ausrüstung (BAAINBw) Ende 2025 möglich; die Produktion soll in Deutschland angesiedelt und das Werk in Bayern erweitert werden. Das teilte das Unternehmen in dem sozialen Netzwerk X mit.
„Wir haben mit den Vorbereitungen für die Serienproduktion der Rakete Taurus NEO begonnen“
— MBDA Deutschland (soziale Netzwerke)
Zur Rakete: Modernisierung der KEPD 350
Taurus NEO ist die überarbeitete Version der bekannten Marschflugkörper KEPD 350, die gemeinsam mit Saab entwickelt wurde. Das Modell erhielt ein digitales Navigationssystem mit GPS und TERCOM, verbesserten Schutz gegen elektronische Gegenmaßnahmen, einen reduzierten Radarquerschnitt und einen optimierten Gefechtskopf zur Bekämpfung befestigter Ziele. Die Rakete soll nicht nur auf dem Eurofighter, sondern auch auf unbemannten Trägersystemen vom Typ Remote Carrier im Rahmen des Programms FCAS (Future Combat Air System) integriert werden.
Konsequenzen für Sicherheit, Industrie und die Ukraine
Technisch stärkt dies die europäische Fähigkeit zu Langstrecken-Schlägen und zugleich die industrielle Basis: die Erweiterung des Werks in Bayern bedeutet Arbeitsplätze, Lieferketten und mehr Autonomie bei der Produktion komplexer Systeme. Für die Ukraine ist das aus mehreren Gründen wichtig.
Erstens erhöht die Stärkung des Verteidigungspotenzials Deutschlands und seiner Partner die allgemeine Abschreckungsfähigkeit Europas – ein Faktor, der das Risiko einer Eskalation in der Region verringert. Zweitens schaffen steigende Produktionskapazitäten in der EU Voraussetzungen für schnellere Logistik und Lieferungen von Rüstungsgütern an Verbündete, wenn dies erforderlich ist; Investitionen in die Industrie verwandeln sich oft in die Möglichkeit rascherer Unterstützung.
Gleichzeitig wird das politische Signal Deutschlands durch weitere Schritte verstärkt: Im November 2025 stellte die Regierung fast 490 Millionen Euro für die Entwicklung der Anti-Drohnen-Raketen DefendAir bereit, und deutsche Hersteller, darunter Rheinmetall, setzen die Lieferung von Kurzstrecken-Luftverteidigungssystemen fort – etwa zusätzliche Skyranger 35 auf Basis des Leopard 1 für die Ukraine. Solche Entscheidungen zeigen einen ganzheitlichen Ansatz: Es wird gleichzeitig in Langstreckenangriff, Anti‑Drohnen-Maßnahmen sowie kurz- und mitteldistanzige Luftverteidigung investiert.
Was weiter zu beobachten ist
Der Beginn der Serienproduktion ist nur eine technische und organisatorische Hürde. Die zentrale Frage für die regionale Sicherheit und für die Ukraine ist, wie schnell diese Produktionskapazitäten in reale Möglichkeiten zur Unterstützung von Partnern umgesetzt werden. Europäische Analysten betonen, dass strategische Autonomie mit operativer Einsatzbereitschaft verbunden sein muss: Investitionen und Verträge müssen in Lieferungen und interoperable Lösungen auf dem Schlachtfeld münden.
Es geht nicht nur um eine Rakete. Der Taurus NEO ist ein Indikator dafür, wie Europa die Fähigkeit zum Bau komplexer Waffensysteme ausbaut, dabei Partner unterstützt und die eigene Resilienz stärkt. Jetzt sind Politiker und Hersteller gefragt: Werden sich diese Möglichkeiten in konkrete Schritte verwandeln, die die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine und der Region festigen?