Mannheimer Philharmonie sagt Konzert von Vadim Repin nach Schreiben der ukrainischen Botschaft ab — kulturelle Verantwortung am Werk

Die Absage des für den 22. Februar geplanten Konzerts, kurz vor dem Jahrestag der großangelegten Invasion, erfolgte infolge eines offiziellen Appells der Botschaft der Ukraine in Deutschland und der Besorgnis der ukrainischen Gemeinde. Wir erläutern, warum es mehr ist als nur ein einzelnes Konzert.

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Was geschehen ist

Die Mannheimer Philharmonie hat den Auftritt des Geigers Vadim Repin abgesagt, der am 22. Februar das zweite Violinkonzert von Sergej Prokofjew aufführen sollte. Die Informationen über die Absage bestätigen Berichte von BackstageClassical und UNN.

Warum das wichtig ist

Die Veranstaltung findet unmittelbar vor dem vierten Jahrestag des großangelegten Einmarsches Russlands in die Ukraine statt und hat daher sowohl symbolische als auch praktische Bedeutung. Für die ukrainische Gemeinschaft in Deutschland sind Auftritte von Künstlern mit engen Verbindungen zu russischen staatlichen Projekten nicht neutral. Diese Frage der Sicherheit wird nicht als emotionale Reaktion, sondern als ziviler Standpunkt eines Teils der aufnehmenden Gesellschaft verstanden.

Position der ukrainischen Botschaft und Argumente

Die Botschaft der Ukraine in Deutschland sandte ein offizielles Schreiben an die Stadt Mannheim und die Veranstalter des Konzerts, in dem sie auf Repins Beteiligung an staatlich finanzierten Kulturprojekten Russlands sowie auf seine Auszeichnungen und seine Unterstützung seit 2022 hinwies. Der Künstler selbst wird in den Medien mit staatlichen Strukturen der Russischen Föderation in Verbindung gebracht: 2022 wurde ihm der Titel „Volkskünstler der Russischen Föderation“ verliehen, und er ist durch Auftritte bei offiziellen Konzerten bekannt.

Position Mannheims

"Vor einigen Tagen erhielten wir ein Schreiben der Botschaft der Ukraine in Deutschland mit der Bitte, das Konzert der Mannheimer Philharmonie mit Vadim Repin abzusagen. In diesem Schreiben werden die Bedenken der ukrainischen Gemeinschaft in Deutschland klar und deutlich dargelegt. Da die Mannheimer Philharmonie seit vielen Jahren aktiv Menschen unterstützt, die vom Krieg betroffen sind, haben wir diese Bitte mit größter Ernsthaftigkeit und Respekt aufgenommen. Nach sorgfältiger interner Diskussion haben wir einstimmig beschlossen, dem Anliegen unserer ukrainischen Landsleute entgegenzukommen und das Konzert abzusagen. Für uns war es wichtig, die Perspektive der ukrainischen Gemeinschaft nach dieser direkten Bitte zu berücksichtigen."

— Mannheimer Philharmonie, offizielle Stellungnahme (Zitat nach BackstageClassical)

Internationaler Kontext

Diese Entscheidung ist kein Einzelfall: In Europa wächst die Sensibilität kultureller Institutionen gegenüber Verbindungen von Künstlern zum Kreml. Als Beispiel sagte das Teatro del Maggio Musicale in Florenz Auftritte der russischen Ballerina Svetlana Zakharova und ihres Ehemanns ab, wie ebenfalls berichtet wurde. Für europäische Theater und Philharmonien ist heute der Balanceakt zwischen der Autonomie künstlerischer Programme und der Verantwortung gegenüber Gemeinschaften, die die Folgen des Krieges spüren, von großer Bedeutung.

Wie geht es weiter?

Dieser Vorfall hat sich als Lackmustest erwiesen: Von kulturellen Einrichtungen wird nicht bloß Symbolpolitik erwartet, sondern wohlüberlegte Entscheidungen, die humanitäre und politische Kontexte berücksichtigen. Für die Ukraine sind solche Fälle nicht nur eine Frage des Ansehens, sondern Teil einer breiteren Strategie zur Unterstützung internationaler Solidarität. Die Aufgabe für Partner ist nun, Sensibilität in systematische Regeln zu überführen, die künftige Zweideutigkeiten vermeiden.

Quellen: BackstageClassical, UNN, offizielle Stellungnahme der Mannheimer Philharmonie.

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