15.000 Autos pro Tag und weniger als 40 Panzer pro Jahr: Warum mobilisiert Deutschland seine Industrie nicht?

Der Präsident des Kieler Instituts hat in Davos zur industriellen Mobilisierung Berlins aufgerufen — das ist eine direkte Frage der Sicherheit Europas und des Tempos der Hilfe für die Ukraine.

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Kurz

Auf dem Davoser Forum wies Moritz Schularik, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, deutlich auf ein Ungleichgewicht hin: Deutschland produziert etwa 15.000 Autos pro Tag, ist aber derzeit nicht in der Lage, auch nur 40 Panzer pro Jahr zu bauen. Seiner Ansicht nach ist das ein Zeichen für das Fehlen einer industriellen Mobilisierung, die nötig wäre, um die Verteidigungsfähigkeit Europas schnell zu stärken.

Was der Experte sagte

"Denken Sie nur: Deutschland hat als Land leistungsfähige Industriecluster – es produziert 15.000 Autos pro Tag, kann aber derzeit nicht einmal 40 Panzer pro Jahr fertigen. Irgendetwas stimmt offensichtlich nicht."

— Moritz Schularik, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Er fügte hinzu, dass das Problem nicht nur in den Kapazitäten liege, sondern in der Organisation: der Integration ziviler Cluster in die verteidigungsrelevante Produktionsbasis und in einem technologischen Rückstand, den man teilweise durch Zusammenarbeit mit innovativen ukrainischen Teams ausgleichen könne.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Der Kern der Frage ist einfach: Wenn die größte Volkswirtschaft Europas nicht in der Lage ist, die Industrie schnell auf Verteidigungsaufgaben umzustellen, fällt die Last auf die Partner — die USA, ukrainische Unternehmen und alliierte Versorgungslinien. Für die Ukraine bedeutet das längere Wartezeiten beim Erhalt von Ausrüstung und bei der technischen Integration und damit mehr Risiken an der Front.

Fakten, die man sich merken sollte

Im Dezember unterzeichneten die Ukraine und Deutschland einen Vertrag über die Produktion von 200 selbstfahrenden Artilleriesystemen "Bohdana" auf Mercedes‑Benz Zetros-Fahrgestell mit einem Gesamtwert von 750 Mio. Euro. Dieser Vertrag zeigt, dass Zusammenarbeit möglich ist, doch ihr Umfang ist bislang zu gering, um systemische Lücken auszugleichen.

Was die Lage ändern könnte

Schularik schlägt eine dreiteilige Lösung vor: 1) industrielle Mobilisierung — koordinierte Umstellung der Lieferketten und Produktionsprioritäten; 2) technologische Integration — Austausch von Innovationen mit Partnern, einschließlich ukrainischer Entwicklungen; 3) politischer Wille — ein Umdenken in Militärführung und Regierung, das schnellere Entscheidungen und Ressourcen ermöglicht.

"Irgendwo im Unterbewusstsein denken unsere Generäle und unser Militär immer noch: Wenn Gefahr droht, wird Amerika an unserer Seite sein. Und das ist genau ein Hindernis für Konzentration sowie eine angemessene und schnelle Reaktion."

— Moritz Schularik, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Fazit

Schulariks Position ist keine Kritik um der Kritik willen, sondern ein Aufruf zur Neuausrichtung industrieller Logik. Für die Ukraine ist das eine Chance auf stabilere und schnellere Lieferungen — aber nur, wenn Berlin Deklarationen in einen Plan mit konkreten Maßnahmen verwandelt. Nun ist die deutsche Politik am Zug: Ist sie bereit, ihre Kapazitäten in einen Faktor zur Beschleunigung unserer gemeinsamen Sicherheit zu verwandeln?

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