Was passiert ist
Im Jahr 2025 ist die Fahrzeugproduktion auf den italienischen Standorten von Stellantis um mehr als 20% zurückgegangen — auf 379 706 Einheiten, teilte die Gewerkschaft FIM‑CISL mit.
Den stärksten Einbruch verzeichnete der PKW‑Sektor: deren Produktion fiel um 24,5% — auf 213 706 Einheiten. Die Agentur Bloomberg stellte fest, dass dies der schlechteste Wert seit 1955 ist, als der Vorgänger von Stellantis — Fiat — 230 988 Autos produzierte.
"Der schlechteste Wert seit 1955"
— Bloomberg
Innerhalb von zwei Jahren ist die Produktion von Personenkraftwagen in Italien im Vergleich zu 2023 (521 104 Einheiten) fast um die Hälfte zurückgegangen.
Ursachen — einfach und systemisch
Der Rückgang ist das Ergebnis einer Kombination von Faktoren, die Automotive‑Analysten gut bekannt sind: Einführungszyklen neuer Modelle, Verlagerung von Produktionskapazitäten in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten, strukturelle Veränderungen am Markt (Übergang zu Elektro‑ und Hybridmodellen) sowie temporäre Produktionsstopps. Die italienische Regierung kritisierte die frühere Konzernführung offen für die Verlagerung eines Teils der Produktion nach Marokko.
"Fast die Hälfte der Beschäftigten des Konzerns ist gezwungen, in Kurzarbeit zu arbeiten"
— FIM‑CISL
Wo die Lage am schlimmsten ist — und wo es Licht gibt
Einige Werke standen im Jahresverlauf mehr als 100 Tage still; die Produktion im Werk Melfi ging nahezu um die Hälfte zurück. Gleichzeitig verzeichnete das Werk Mirafiori in Turin Zuwächse dank der Einführung des hybriden Fiat 500 — ein Beispiel dafür, wie die Erneuerung der Modellpalette lokal Trends umkehren kann.
Auswirkungen für Beschäftigte und Industrie
Die heutigen Zahlen bedeuten nicht nur weniger Produktion — sie stehen für verlorene Arbeitstage, mehr Kurzarbeit und Druck auf lokale Zuliefer‑Ökosysteme. Für die südlichen Regionen, in denen ein großes Werk einer der wichtigsten Arbeitgeber ist, hat der Rückgang deutliche sozioökonomische Folgen.
Gibt es einen Ausweg — und wann ist mit Änderungen zu rechnen
Stellantis verspricht Investitionen in die italienischen Kapazitäten: das Ende des Rückgangs könnte mit zwei Neuheiten kommen, die 2026 starten sollen — einer Ausweitung der Produktion des hybriden Fiat 500 und dem Start des neuen Jeep Compass im Süden Italiens. Allerdings ist das mehr als eine Frage der Bänder: Es bedarf klarer Investitionspläne, staatlich‑industrieller Koordination und wirklicher Unterstützung der Lieferketten.
Kurzfazit
Der Rückgang auf das Niveau von 1955 ist ein Warnsignal: Es besteht das Risiko einer Erosion der Produktionsbasis, doch zugleich zeigt es, wie schnell sich das Bild durch die Erneuerung der Modellpalette ändern kann. Jetzt sind die Akteure gefragt: Werden die Versprechen der neuen Stellantis‑Führung und die Forderungen der Regierung in Investitionen und Aufträge übersetzt, die Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der Werke zurückbringen?