Worum es bei der Entscheidung geht
Am 20. Januar hat die Regierung des Vereinigten Königreichs China erlaubt, an der Stelle des 200 Jahre alten Komplexes Royal Mint Court eine neue diplomatische Vertretung mit einer Fläche von etwa 55.000 m² zu errichten – eine der größten Botschaften der Welt. Reuters berichtet, dass die Entscheidung nach einer dreijährigen Blockade durch die lokale Verwaltung und Protesten von Anwohnern sowie Aktivisten aus Hongkong getroffen wurde. China kaufte das Gelände 2018 für £255 Mio., und das Projekt war lange Zeit wegen Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit abgelehnt worden.
Warum das wichtig ist
Die behauptete Gefahr ist keine bloße Rhetorik: Das Projekt liegt in der Nähe des historischen Finanzkerns Londons, unter dem Glasfaser-Hauptleitungen von Banken und Börsen verlaufen. Britische und amerikanische Politiker warnten, dass ein größeres diplomatisches Areal erweiterte Möglichkeiten für nachrichtendienstliche Aktivitäten und technische Überwachung biete. Die Entscheidung fällt außerdem zeitlich zusammen mit dem erwarteten Besuch des Premierministers Keir Starmer in Peking, was zusätzlichen politischen Druck erzeugt.
"Für das Gelände von Royal Mint Court, wie auch für jede ausländische Botschaft auf britischem Boden, ist es unrealistisch, zu erwarten, dass alle potenziellen Risiken vollständig beseitigt werden können."
— Schreiben von MI5 und GCHQ
Politischer Kontext und Kritik
Die Opposition kritisierte die Entscheidung scharf: Die Konservative Partei bezeichnete sie als „beschämenden Akt der Feigheit“. Teile der Öffentlichkeit und Anwohner haben bereits rechtliche Schritte angekündigt und behaupten, die Regierung habe der chinesischen Seite Zusicherungen gegeben, bevor der Planungsprozess abgeschlossen war.
"Die Zustimmung ist ein beschämender Akt der Feigheit."
— Konservative Partei
Was die Dienste und Verbündeten sagen
MI5 und GCHQ waren in den Genehmigungsprozess eingebunden und schlugen ein Maßnahmenpaket zur Risikominimierung vor; zugleich weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass es unmöglich sei, alle Gefahren vollständig auszuschließen. Die Entscheidung ist auch ein Element gegenseitigen Drucks: Peking hatte zuvor britische Pläne zur Erweiterung der Botschaft in Peking blockiert, weshalb die Londoner Entscheidung einen diplomatischen Kontext eines stillschweigenden Gegenzuges hat.
Außerdem warnten britische Geheimdienste vor Aktivitäten chinesischer Agenten in sozialen Netzwerken — etwa LinkedIn — sowie vor Versuchen der Anwerbung über Personalvermittlungen. In einem weiteren geopolitischen Zusammenhang fällt diese Entscheidung in eine Zeit zunehmender Spannungen zwischen London und Moskau: Mitte Januar 2026 wies Russland einen britischen Diplomaten aus, nachdem dieser der Spionage beschuldigt worden war.
Folgen und Prognose
Erstens ist dies eine Prüfung der Mechanismen zum Schutz kritischer Infrastruktur in Städten — ob die Dienste ihre Vorschläge in rechtlich verbindliche und technisch wirksame Garantien überführen können. Zweitens wirft die Entscheidung Fragen der Gegenseitigkeit in der Außenpolitik auf: Wenn andere Hauptstädte solche Schritte als Präzedenz betrachten, könnte dies künftige Verhandlungen über die diplomatische Präsenz Großbritanniens im Ausland erschweren.
Für die Ukraine und ihre Verbündeten ist der Rahmen selbst wichtig: die Sicherheit finanzieller Knotenpunkte und die Transparenz bei Entscheidungen über ausländische Präsenz in Großstädten sind nicht nur Fragen der Souveränität, sondern auch der Widerstandsfähigkeit wirtschaftlicher Lieferketten. Nun sind Parlament und Dienste gefordert — ob sie gewährleisten können, dass die Sicherheitsbekundungen in konkrete, kontrollierte Mechanismen überführt werden.
Quellen
Hauptquelle: Reuters; offizielle Stellungnahmen von MI5 und GCHQ; öffentliche Stellungnahmen politischer Kräfte und Berichte lokaler Aktivisten.