Worum es geht
Financial Times schreibt, dass der interimistische Co-Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums, Larry Fink, prüft, einen Teil der Treffen aus Davos in anderen Städten auf rotierender Basis abzuhalten — genannt werden Detroit, Dublin, Jakarta und Buenos Aires.
In privaten Gesprächen, auf die sich die Zeitung beruft, wurden Optionen zur Verlegung des Haupttreffens des Forums besprochen. Bloomberg warnt, dass dies einen Schlag für die Schweiz als Zentrum globaler Diplomatie und Geschäftsgespräche bedeuten würde.
Was Fink sagte
"Seit 56 Jahren ist das Weltwirtschaftsforum ein Synonym für Davos. Und höchstwahrscheinlich wird das noch eine Zeitlang so bleiben. Aber man sollte erwarten, dass das WEF auch etwas Neues beginnt: dort aufzutauchen – und zuzuhören – wo die moderne Welt tatsächlich geformt wird. Davos – ja. Aber es gibt Orte wie Detroit und Dublin, ebenso Städte wie Jakarta und Buenos Aires. Der Berg wird auf die Erde herabsteigen"
— Larry Fink, interimistischer Co‑Vorsitzender des WEF (LinkedIn)
Warum das wichtig ist
Diese Entscheidung geht nicht um die Schönheit des Ortes oder „Tourismus“ für die Eliten. Die Rotation der Schauplätze verändert den Zugang — wer wo die Möglichkeit hat zu verhandeln, welche Themen in den Mittelpunkt rücken und welche Regionen einen direkten Kanal zu globalen Investoren und Meinungsführern erhalten.
Die Geschichte zeigt: Das WEF in Davos hat in den 1970er–2020er Jahren den Konsens zwischen Regierungen und Wirtschaft gefördert. Die Verlagerung eines Teils der Aktivitäten könnte die Agenda auf Fragen neu ausrichten, die für neue geografische Hubs wichtig sind — Industrialisierung, technologische Transformation, regionale Investitionen.
Wirtschaftliche Folgen für Davos und die Schweiz
Nach Schätzungen der Universität St. Gallen brachte das Treffen 2017 der Stadt rund 60 Mio. Schweizer Franken an Einnahmen und ≈2 Mio. Franken an Steuern. Bloomberg weist darauf hin: Der Verlust des monopolartigen Status des WEF wäre spürbar für die lokale Wirtschaft und für die Rolle der Schweiz als Plattform für neutrale Verhandlungen.
Was das für die Ukraine bedeutet
Für die ukrainische Diplomatie und Wirtschaft ist eine mögliche Rotation sowohl Risiko als auch Chance. Risiko: eine Verringerung der Aufmerksamkeitskonzentration in Davos könnte die Einbindung in traditionelle bilaterale Treffen schwächen, in denen historisch Sicherheits- und Finanzierungsfragen entschieden werden.
Chance: Wenn das Forum öfter näher an Industrie- oder Finanzzentren stattfindet, eröffnet das neue Kanäle, um ukrainische Projekte Investoren und Partnern zu präsentieren, insbesondere in den Bereichen Wiederaufbau, Energie und Technologie. Mit anderen Worten: Die Form beeinflusst den Zugang zu Ressourcen — und die Ukraine muss bereit sein, dies zu nutzen.
Autoritative Quellen und Präzedenzfälle
FT zitiert entsprechend informierte Quellen, und die Pandemieerfahrung hat gezeigt, dass das WEF zuvor bereits alternative Austragungsorte geprüft hat (Singapur in den Jahren 2020–21). Im Jahr 2002 wurde das Forum nach New York verlegt nach dem 11. September — ein Präzedenzfall, in dem geopolitische Ereignisse das Format des Treffens beeinflussten.
Kurze Prognose
Die Entscheidung des WEF ist keine sofortige Verlegung, sondern eine Debatte über strategische Anpassung. Die Aufgabe für die Ukraine lautet nun: den Zugang zu den Zentren der Einflussnahme bewahren, aktiver mit lokalen Hubs zusammenarbeiten und jede Rotation nutzen, um Sicherheits- und Wiederaufbauinteressen voranzubringen. Ob die Partner die Idee einer Rotation in konkrete Schritte verwandeln — das ist eine Frage der kommenden Monate.