Volumen und Preise: kurz
Das Wirtschaftsministerium berichtet: von Januar bis Mitte Dezember 2025 wurden in der Ukraine mehr als 340 000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen veräußert — das sind etwa 115 000 Parzellen.
Davon kauften juristische Personen 43 012 Parzellen (128 212 ha) zu einem Durchschnittspreis von 74 323 UAH/ha; natürliche Personen — 72 597 Parzellen (211 962 ha) zu einem Durchschnittspreis von 47 246 UAH/ha.
Regionale Kluft: Westen gegen frontnahe Regionen
Die Preise sind deutlich an Sicherheit und Infrastruktur gebunden. Die höchsten Werte liegen in den westlichen und zentralen Gebieten: Iwano‑Frankiwsk — bis zu 165 615 UAH/ha, Ternopil — bis zu 126 068 UAH/ha, Lwiw und Winnyzja — im Bereich 80 000–100 000 UAH/ha.
Dagegen bleiben in den frontnahen Regionen (Cherson, Mykolajiw, Saporischschja) die Durchschnittswerte deutlich niedriger — etwa 35 000–38 000 UAH/ha. Das spiegelt Investitionsrisiken, die Erreichbarkeit der Logistik sowie den Zustand der Landbewirtschaftung wider.
"Trotz des großangelegten Krieges bewahrt der Markt seine Funktionsfähigkeit und zeigt eine stetige Entwicklung. Wenn in der Anfangsphase der Marktöffnung der entscheidende Faktor das Volumen des Landbestands war, so hat sich 2025 der Fokus auf die Qualität der Parzellen und ihre Lage verlagert. [...] Die höchsten Bodenpreise bleiben in den westlichen und zentralen Regionen, während die Preise in den frontnahen Regionen deutlich niedriger bleiben",
— Ministerium für Wirtschaft
Warum das für jeden wichtig ist
Der Bodenpreis betrifft nicht nur den Agrarsektor. Er ist ein Indikator für das Vertrauen der Investoren, die Bereitschaft, den Wiederaufbau zu finanzieren, und die Realität logistischer Risiken. Hohe Werte in sicheren Regionen sprechen für eine Umorientierung des Kapitals auf Stabilität; niedrige Preise in frontnahen Gebieten spiegeln einerseits Risiken, andererseits Potenzial für künftigen Wiederaufbau wider.
Kontext der Regelungen
Der Bodenmarkt wurde am 1. Juli 2021 geöffnet. In den ersten zweieinhalb Jahren konnten nur natürliche Personen kaufen; seit dem 1. Januar 2024 dürfen auch ansässige Unternehmen erwerben, mit einem Limit — 10 000 ha in einer Hand sowohl für natürliche als auch für juristische Personen. Dieser Rechtsrahmen setzt den Rahmen für Konzentration und Investitionen, wirft aber auch Fragen zur Kontrolle und Transparenz der Geschäfte auf.
Worauf es weiter zu achten gilt
Analysten weisen auf drei Schlüsselindikatoren hin: die Preisentwicklung in befreiten und wiederaufgebauten Gebieten, die Aktivität ausländischer und nationaler Investoren sowie die Wirksamkeit der Bodenreform in puncto Transparenz und Schutz der Eigentumsrechte. Wenn diese Indikatoren positiv sind, kann Boden nicht nur Motor des Agrarsektors, sondern auch des Wiederaufbaus der Regionen werden.
Offene Frage für die Zukunft: Wird sich der Marktfokus von Sicherheit und Erreichbarkeit zu einem Instrument echten Wiederaufbaus wandeln — oder bleibt er ein Mechanismus der Konsolidierung von Vermögenswerten? Von der Antwort hängt ab, wer und wie vom Bodenmarkt in der nachkrieglichen Ukraine profitieren wird.