Kurz — warum das wichtig ist
Das Schiedsgerichtsinstitut der Stockholmer Handelskammer hat am 16. Dezember 2025 die Ansprüche der niederländischen Firma Green Genius International B.V. (ehemals Modus Energy International) gegen die Ukraine vollständig abgewiesen. In der Klage ging es um eine Entschädigung von mindestens 22,7 Mio. Euro im Zusammenhang mit der Senkung des „grünen“ Tarifs im Jahr 2020. Für den Staat ist dies der erste Sieg in internationalen Schiedsverfahren zur Umstrukturierung von Tarifen – und potenziell ein wichtiger Präzedenzfall für Dutzende ähnlicher Fälle.
Entscheidung des Tribunals
Das Tribunal befand, dass die Ukraine bei der Umstrukturierung der Tarife innerhalb ihrer regulatorischen Befugnisse gehandelt und ein legitimes öffentliches Interesse verfolgt habe. Das Gericht sah außerdem keine Gründe dafür, anzunehmen, dass der Investor zum Zeitpunkt der Investition geschützte Erwartungen hinsichtlich der Unveränderlichkeit des regulatorischen Umfelds oder eines garantierten Rentabilitätsniveaus gehabt habe. Separat stellte das Schiedsgericht fest, dass die geltend gemachten finanziellen Forderungen auf Annahmen über hypothetische künftige Einnahmen beruhten und nicht hinreichend belegt worden seien.
"Diese Entscheidung schafft einen wichtigen Präzedenzfall für Dutzende ähnlicher Fälle und bestätigt die Rechtmäßigkeit der staatlichen Politik der Ukraine im Bereich der erneuerbaren Energien."
— Ministerium der Justiz der Ukraine
Was das für Staat und Bürger bedeutet
Erstens verringert die Entscheidung das Risiko hoher Zahlungen aus dem Staatshaushalt in ähnlichen Schiedsverfahren – und reduziert damit den Druck auf Haushaltsmittel, die für Verteidigung und Wiederaufbau benötigt werden. Zweitens sendet sie ein rechtliches Signal an Investoren: Staatliche Regulierung, die dem öffentlichen Interesse dient, kann als rechtmäßig anerkannt werden, doch müssen Investitionserwartungen dokumentiert und begründet sein.
Experten weisen darauf hin, dass die Entscheidung auch die Verhandlungsposition der Ukraine in noch anhängigen Streitigkeiten beeinflussen und deren Beilegung im Interesse der Steuerzahler beschleunigen könnte.
Kontext — Memorandum und Gesetz von 2020
Im Juni 2020 unterzeichnete die Regierung ein Memorandum mit Investoren im Bereich der erneuerbaren Energien, das der Grundlage des Gesetzes Nr. 810-IX (Juli 2020) zugrunde lag. Das Dokument sah eine Senkung des „grünen“ Tarifs für Photovoltaik-Anlagen (СЕС) um 15% und für Windparks (ВЕС) um 7,5% vor, zugleich garantierte die Regierung die 100%ige Auszahlung des Tarifs und die Begleichung der Schulden bis Ende 2021. Modus/Green Genius war der erste Investor, der im Zusammenhang mit diesen Änderungen Klage bei einem internationalen Schiedsgericht einreichte.
Was als Nächstes
Wichtig ist: Das ist keine automatische Niederlage für alle anhängigen Fälle – aber ein starkes Argument für den Staat in anderen Schiedsverfahren. Partner und Steuerzahler sollten verfolgen, wie dieses Urteil in praktische Schritte umgesetzt wird – insbesondere hinsichtlich der Geschwindigkeit der Streitbeilegungen und der Transparenz von Entschädigungsmechanismen. Die Botschaft an Investoren ist klar: Die Spielregeln können geändert werden, aber man muss die Risiken verstehen und Erwartungen dokumentieren.
Eine rhetorische Frage zum Schluss: Kann diese Entscheidung der Beginn einer systematischen Lösung der Streitigkeiten sein, die Ressourcen vom Wiederaufbau des Landes abziehen?