Rückruf von Säuglingsnahrung: Wie Nestlé, Danone und Lactalis mehr als eine Milliarde US-Dollar riskieren — was ukrainische Eltern wissen sollten

Drei globale Hersteller haben Chargen wegen möglicher Verunreinigung mit Cereulid zurückgerufen — es geht um die Sicherheit von Säuglingen, die Auswirkungen auf die Märkte und die Kontrolle der Lieferketten. Wir erklären die Risikoquellen, das Ausmaß der Schäden und was in der Ukraine zu tun ist.

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Kurz

Nach Angaben von Reuters hat das französische Unternehmen Vitagermine den Rückruf von Säuglingsnahrungen ausgeweitet, was eine Kettenreaktion ausgelöst hat — Nestlé, Danone und Lactalis ziehen große Chargen zurück wegen des Risikos einer Kontamination mit Cereulid (ein von den Bakterien Bacillus cereus produziertes Toxin). Analysten von Barclays und Bernstein schätzen die potenziellen Schäden auf Hunderte Millionen — im schlimmsten Szenario bis zu 1 Mrd. Schweizer Franken für Nestlé.

Was genau entdeckt wurde

Die Quelle der Kontamination wird mit einem chinesischen Lieferanten von Arachidonsäure‑Öl (ARA) in Zusammenhang gebracht — einer kritisch wichtigen Zutat in Premium‑Säuglingsnahrungen. Cereulid ist hitzestabil und kann bereits 30 Minuten bis 3 Stunden nach Verzehr Erbrechen und Durchfall auslösen; die Symptome ähneln einer "Magen‑Darm‑Grippe".

"Nestlé beobachtet die Entwicklung weiterhin und arbeitet mit voller Transparenz zusammen, indem alle notwendigen Informationen bereitgestellt werden."

— Presseabteilung Nestlé

Die wirtschaftliche Rechnung

Analysten schätzen die Auswirkungen unterschiedlich: Danone könnte rund €100 Mio. verlieren, während Nestlé im schlimmsten Fall etwa 1 Mrd. Schweizer Franken drohen (Quellen: Barclays, Bernstein). Für Danone machen Säuglingsnahrungen etwa 21 % des Umsatzes in dieser Kategorie aus; für Nestlé sind es rund 5 %. Kursverluste an den Aktienmärkten sind bereits zu verzeichnen: Danone fiel auf ein Niveau, das seit Januar 2025 nicht mehr erreicht worden war, Nestlé liegt seit Anfang Januar fast 10 % im Minus.

Position der Behörden und Krankheitsfälle

Französische Ermittler prüfen einen möglichen Zusammenhang mit dem Tod von zwei Säuglingen, doch das französische Gesundheitsministerium erklärt, ein ursächlicher Zusammenhang sei noch nicht festgestellt (Quelle: Euronews Health). In Flandern berichtete ein Vertreter der Gesundheitsabteilung, Joris Munens, von einem Fall, bei dem Analysen eine Cereulid‑Kontamination in einem Nestlé‑Babyprodukt nachwiesen.

"Die Analysen bestätigten, dass sie durch eine Cereulid‑Kontamination eines Milchprodukts der Firma Nestlé erkrankte."

— Joris Munens, Gesundheitsdepartement (Flandern)

Risiken für die Ukraine

Nestlé hatte am 6. Januar 2026 einen freiwilligen Rückruf bestimmter importierter NAN‑ und Nestogen‑Chargen in der Ukraine als Vorsichtsmaßnahme gemeldet; das Unternehmen erklärte außerdem, dass ein Teil der betroffenen Produkte nach dessen Angaben nicht importiert worden sei. Der Abgeordnete Danylo Hetmantsev äußerte Zweifel daran, dass einige Chargen in die Handelsnetze gelangt seien, und vermutete möglichen Schmuggel — dieser Faktor macht den lokalen Markt verwundbar.

Praktische Ratschläge für Eltern

- Prüfen Sie Chargennummern und Haltbarkeitsdaten auf den offiziellen Seiten der Hersteller oder in Mitteilungen des Staatlichen Dienstes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz und befolgen Sie die Anweisungen zum Rückruf.
- Wenn Ihr Kind nach dem Verzehr der Nahrung Symptome (Erbrechen, Durchfall) zeigte — suchen Sie einen Kinderarzt auf und bewahren Sie die Verpackung für eine Analyse auf.
- Vermeiden Sie den Kauf von Produkten unbekannter Herkunft oder "von Privatpersonen" — Schmuggelware mag günstiger sein, besitzt jedoch keine Zertifizierung und keine Sicherheitsgarantien.

Wie es weitergeht

Die Schlüsselfrage ist, ob Unternehmen und Regulierungsbehörden die gesamte Lieferkette überprüfen und die Risiken für Verbraucher eindämmen können. Das ist ein Test für das System der Lebensmittelsicherheitskontrollen und für die Einzelhandelsketten, die verhindern müssen, dass ungeeignete Produkte in die Regale ukrainischer Geschäfte gelangen.

Fazit: Es geht nicht nur um Milliardenverluste, sondern um das Vertrauen der Eltern und die Fähigkeit der Institutionen, die Sicherheit der Schwächsten zu gewährleisten. Während Wirtschaft und Regulierer die Verluste bilanzieren, ist das Wichtigste für Familien — die Herkunft prüfen, auf Symptome reagieren und offizielle Informationskanäle nutzen.

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