Kurz: Was beschlossen wurde
Das Europäische Parlament hat die Anwendung des Verfahrens der verstärkten Zusammenarbeit zur Gewährung eines Kredits an die Ukraine in Höhe von €90 Mrd. unterstützt. Die Stimmenverteilung lautete: 499 — dafür, 135 — dagegen, 24 — enthielten sich. Die Entscheidung veröffentlichte die Pressestelle des Europäischen Parlaments.
„Da Tschechien, Ungarn und die Slowakei sich weigerten, den Kredit zu unterstützen, wurde die Vereinbarung [über den Kredit an die Ukraine] gemäß dem Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit geschlossen, einem Mechanismus, der interessierten EU‑Mitgliedstaaten ermöglicht, in bestimmten Bereichen zusammenzuarbeiten. Laut den Verträgen erfordert das Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit die Zustimmung des Europäischen Parlaments.“
— Pressestelle des Europäischen Parlaments
Warum es dazu kam
Der Beschluss des Europäischen Rates vom 18. Dezember sah die Unterstützung eines Kredits für 2026–2027 als zinsgünstigen Kredit vor — eine Variante, die als Alternative zur Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte für Reparationen erwogen wurde, falls andere Mechanismen nicht greifen. Nachdem Tschechien, Ungarn und die Slowakei ihre einstimmige Zustimmung nicht erteilten, nutzten die Länder, die bereit waren, die Initiative zu unterstützen, das Instrument der verstärkten Zusammenarbeit, das ein Blockieren umgeht.
Was das Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit ist und warum es wichtig ist
Das Verfahren der verstärkten Zusammenarbeit ist ein rechtlicher Mechanismus innerhalb der EU, der einer Gruppe interessierter Mitgliedstaaten erlaubt, gemeinsame Initiativen voranzutreiben, ohne die vollständige Einstimmigkeit des gesamten Bündnisses. Für die Anwendung eines solchen Verfahrens ist die Zustimmung des Europäischen Parlaments erforderlich — die heute erteilt wurde. Für die Ukraine bedeutet das einen praktischen Weg zur Finanzierung, selbst wenn die volle politische Einheit der EU vorübergehend fehlt.
Finanzielle Logik
Die Summe — €90 Mrd. — ist für die Jahre 2026–2027 vorgesehen. Die EU übernimmt zudem die Kosten für die Bedienung der Schulden: ungefähr €3 Mrd. pro Jahr an Zinsen, die die Union zahlt, um die Kreditkonditionen für die Ukraine vergünstigt zu gestalten. Am 14. Januar legte die Europäische Kommission Gesetzesvorschläge vor, die die Mechanik der dauerhaften Unterstützung für diese Jahre präzisieren.
Folgen für die Ukraine und die EU
Für die Ukraine ist die Entscheidung ein wichtiges Signal: Die Partner sind bereit, umfassende Finanzierung bereitzustellen, selbst wenn ein Teil der EU sich zurückhält. Das schafft mehr Planbarkeit für Haushaltsplanungen und Verteidigungsprogramme in den kommenden Jahren. Gleichzeitig macht der Mechanismus die politischen Spaltungen in der EU sichtbar und schafft einen Präzedenzfall, bei dem eine Gruppe von Ländern Schlüsselentscheidungen ohne allgemeine Einstimmigkeit vorantreibt.
Was als Nächstes folgt
Nun wird die technische Umsetzung entscheidend: Die Europäische Kommission und die teilnehmenden Staaten müssen die Zahlungsmodalitäten, die Kontrolle über die Mittelverwendung und Transparenzgarantien abstimmen. Das politische Risiko besteht darin, dass langanhaltende oder neue Differenzen in der EU die Geschwindigkeit und Höhe der Zahlungen beeinflussen könnten; daher ist es wichtig, die konkreten Vereinbarungen und Verteilungsbedingungen genau zu verfolgen.
Fazit. Diese Entscheidung verringert die Unsicherheit für die Ukraine und erinnert zugleich daran: Garantien ersetzen nicht eine sorgfältige Kontrolle und klare Mechanismen. Ob die europäischen Partner politische Solidarität in stabile Finanzierung verwandeln, hängt von den nächsten juristischen und technischen Schritten ab.