In großer Diplomatie entscheiden manchmal kleine Summen
Moldau beabsichtigt, bis Ende 2026 endgültig aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) auszutreten. Für den formellen Abschluss des Verfahrens muss Chișinău eine finanzielle Verbindlichkeit von etwa €100.000 begleichen — eine Summe, die haushaltstechnisch gering ist, aber in symbolischer und rechtlicher Hinsicht wichtig.
"Wenn wir verantwortungsbewusst und in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht handeln wollen, muss diese Verbindlichkeit wohl beglichen werden, selbst wenn Moldau über viele Jahre hinweg keine realen Vorteile aus der Teilnahme an der GUS gezogen hat."
— Mihai Popșoi, moldauischer Politiker (bei TVR Moldova)
Verfahren und Fristen
Die nächsten Schritte sind die Vorlage des Kündigungsentwurfs an das Parlament, die Unterschrift des Präsidenten und die Übersendung der Unterlagen an das Sekretariat der GUS. Nach der offiziellen Mitteilung ist eine sechsmonatige Übergangsfrist vorgesehen. Parallel dazu hat Chișinău bereits mehrere bilaterale Abkommen mit Russland gekündigt, darunter das Kulturabkommen — was Ende 2025 zur Schließung des "Russischen Hauses" in Chișinău führte.
Warum die Summe nicht an sich wichtig ist, sondern als Zeichen
€100.000 ist keine Frage des Haushalts. Es handelt sich um eine juristische Formalität, die Moldau ermöglicht, die letzten formalen Verbindungen zur postsowjetischen Infrastruktur zu kappen. Die Entscheidung setzte kurz nach dem großangelegten russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 ein; die Regierung sieht in den Bestimmungen der alten Abkommen Elemente, die den heutigen nationalen Interessen nicht entsprechen.
Das Expertenumfeld der Region weist darauf hin: Solche Schritte haben eine doppelte Wirkung — den rechtlichen Abschluss einer historischen Seite und ein politisches Signal für die europäische Ausrichtung des Landes. Zugleich erhöht dies den Grad der rechtlichen Unabhängigkeit in Sicherheits- und Außenpolitikfragen.
Was sich für Bürger und Unternehmen ändert
Die Regierung versichert, dass der Austritt aus der GUS die Freizügigkeit der Bürger und die Handelsbeziehungen nicht beeinträchtigen werde: Diese werden bereits durch bilaterale Abkommen geregelt. Anders gesagt: Alltag und Handel werden voraussichtlich kaum Veränderungen bemerken, wohl aber ändern sich der rechtliche Status und der internationale Kurs des Landes.
Fazit
Dies ist ein Beispiel dafür, dass eine strategische Entscheidung relativ wenig Geld kostet, aber viel an Signalwirkung hat. Nun sind Parlament und Präsident am Zug — von den Erklärungen darf man rechtlich vollendete Entscheidungen erwarten. Für die Nachbarn, insbesondere für die Ukraine, ist dies ein weiteres Indiz dafür, wie sich die Region von postsowjetischen Strukturen löst und sich europäischen Praktiken annähert.