Was passiert ist
Die internationale Ratingagentur S&P Global Ratings hat das langfristige Kreditrating der Ukraine in ausländischer Währung von «SD» (selektiver Zahlungsausfall) auf «CCC+» angehoben. Die Entscheidung, die S&P in einer Mitteilung veröffentlichte (Text wiedergegeben bei LIGA.net), steht im Zusammenhang mit dem Ende Dezember 2025 abgeschlossenen Tausch ukrainischer BIP‑Warrants gegen neue Wertpapiere mit Fälligkeit 2032; diesen neuen Papieren wurde ebenfalls das Rating «CCC+» zugeteilt.
„Obwohl ein kleiner Teil der kommerziellen Schulden weiterhin in Zahlungsverzug ist (weniger als 2,5 % der gesamten kommerziellen Schulden), wird dies die Fähigkeit des Landes, andere Verpflichtungen zu bedienen, nicht wesentlich beeinträchtigen.“
— S&P Global Ratings
Warum das wichtig ist
Tatsächlich hat die Restrukturierung 2024–2025 den Bedarf der Ukraine an Bedienungszahlungen für externe kommerzielle Verbindlichkeiten auf rund $1 Mrd. pro Jahr im Durchschnitt über die nächsten drei Jahre reduziert. Die erste Rückzahlung der Tilgung für ausländische Anleihen wird erst 2029 erwartet — das verschafft zusätzlichen Spielraum für die finanzielle Stabilisierung und die Haushaltsplanung während des Krieges.
Welche ungelösten Fragen bleiben
Trotz positiver Dynamik muss die Ukraine noch mehrere technisch wichtige Vereinbarungen abschließen: die Restrukturierung der BIP‑Warrants in Höhe von $2,6 Mrd. zu vollenden, eine Einigung über die staatlich garantierten Eurobonds von «Ukrenergo» in Höhe von $825 Mio. zu erzielen (eine vorläufige Vereinbarung liegt vor, der Abschluss wurde jedoch auf Anfang 2026 verschoben) und die externe kommerzielle Forderung von Cargill in Höhe von $0,7 Mrd. zu regeln. Ohne Fortschritte in diesen Punkten könnte das Rating erneut unter Druck geraten.
Bilanz der Risiken: Sicherheit vs. Unterstützung durch Partner
S&P bestätigte den stabilen Ausblick für das Rating und hob zwei Pole hervor: einerseits beherrschbare Schuldenverpflichtungen und die erwartete Unterstützung seitens der EU und der Partner; andererseits eine hohe Unsicherheit aufgrund des Krieges. Die Agentur geht explizit davon aus, dass Gefechte mit hoher Intensität bis ins Jahr 2026 andauern könnten — und eine Verschlechterung der Sicherheitslage bleibt ein zentraler Faktor für ein mögliches Rating‑Downgrade.
Was das der Ukraine bringt — und was sich ändern muss
Das Upgrade auf «CCC+» ist noch keine Rückkehr in den Investment‑Grade‑Bereich, signalisiert aber deutlich: Märkte und Gläubiger erkennen Fortschritte bei der Lösung der externen Schuldenproblematik an. Für Unternehmen und die öffentlichen Finanzen bedeutet das potenziell günstigere kurz‑ und mittelfristige Finanzierungsbedingungen, eine bessere Verhandlungsposition für weitere Vereinbarungen und zusätzliches Vertrauen seitens der Partner. Zugleich sind für weitere Ratingverbesserungen zwei Schritte notwendig: eine tatsächliche Reduzierung der militärischen Risiken und eine Verbesserung der mittelfristigen makroökonomischen Indikatoren.
„Die Entscheidung von S&P spiegelt das Gleichgewicht zwischen beherrschbaren Schuldenverpflichtungen und der erwarteten anhaltenden Unterstützung durch die Europäische Union wider, doch hohe Sicherheitsrisiken bleiben eine wesentliche Beschränkung.“
— S&P Global Ratings
Fazit
Das ist ein Schritt nach vorn — das Ergebnis einer komplizierten Restrukturierung 2024–2025, der der Ukraine Raum gibt, die finanzielle Stabilität während des Krieges wiederherzustellen. Der Status «CCC+» erinnert jedoch daran: Das Vertrauen der Märkte stellt sich nur schrittweise wieder her, und eine endgültige Ratingverbesserung hängt nicht nur von buchhalterischen Vereinbarungen ab, sondern ebenso von den sicherheits‑ und wirtschaftspolitischen Entwicklungen. Jetzt sind die Partner gefragt, und es gilt, diese politischen Signale in nachhaltige Investitionen und langfristige Unterstützung zu verwandeln.