„Wir hören solche Aussagen seit 12 Jahren“: Selenskyj antwortete auf die Drohungen Irans — warum Hilfe mit Abfangsystemen die Ukraine nicht offensiv macht

Iran bezeichnet die Ukraine wegen ihrer Unterstützung der Golfstaaten als „legitimes Kriegsziel“. Wir analysieren, warum es um Verteidigung geht, welche Risiken das für Kiew birgt und welche strategischen Möglichkeiten sich für unsere Verteidigungsindustrie eröffnen.

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Володимир Зеленський (Фото: ОП)

In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen

Präsident Wolodymyr Selenskyj kommentierte die Aussagen Irans, das damit droht, „die Ukraine als legitimes Kriegsziel zu betrachten“, weil sie den Ländern des Persischen Golfs bei der Abwehr von Drohnen geholfen habe. In einem Interview mit i24NEWS betonte er, dass solche Drohungen die Ukraine nicht zum ersten Mal erreichten — das ziehe sich über Jahre hin.

Was der Präsident genau sagte

„Nichts Neues. In den letzten vier Jahren habe ich viele verschiedene Aussagen gehört. Für uns ist wichtig, dass die Vereinigten Staaten und die Führung der Länder des Nahen Ostens um Hilfe bei Abfangsystemen für Drohnen gebeten haben. Sie haben uns wegen unserer Expertise im Bereich der Luftverteidigung angefragt.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Der Präsident hob eine zentrale These hervor: Luftverteidigung ist ein Instrument der Verteidigung, kein Angriff. Aus diesem Grund stimmte Kiew zu, Experten und Abfangsysteme zur Verteidigung seiner Partner bereitzustellen.

Warum das für die Ukraine wichtig ist

Erstens bestätigt die Bitte an die Ukraine um Expertise: Unsere Armee und die Verteidigungsindustrie haben einzigartige praktische Erfahrungen im Kampf gegen Shahed-Drohnen gesammelt. Zweitens macht das Kiew zu einem wichtigen Knotenpunkt sicherheitspolitischer Zusammenarbeit zwischen dem Westen und den Golfstaaten — stellt aber zugleich Fragen nach dem Risiko einer Eskalation.

Risiken und Chancen

Analysten von LIGA.net weisen darauf hin: Eine Eskalation rund um den Iran kann den Interessen der Ukraine weiter schaden, als es auf den ersten Blick scheint — von Schwankungen der Ölpreise bis zu Erschwernissen bei der Lieferung westlicher Waffen. Gleichzeitig eröffnet eine Ausweitung des Einsatzgebiets Märkte und Nachfrage nach ukrainischer Verteidigungsexpertise und -produktion.

Kiew hat bereits mehrere Anfragen erhalten: Dem Präsidenten zufolge lagen bis zum 13. März Hilfegesuche bezüglich Drohnen von sechs Ländern der Region vor, außerdem einzelne Anfragen aus den USA und Jordanien. Ukrainische Abfangsysteme und Expertengruppen wurden bereits zum Schutz amerikanischer Stützpunkte in Jordanien entsandt.

Politischer Kontext

Parallel dazu hallten die Ereignisse in politischen Aussagen internationaler Akteure wider: So erklärte etwa der ehemalige US-Präsident Donald Trump, er brauche angeblich keine Hilfe von der Ukraine — worauf Selenskyj entgegnete, dass für ihn praktische Arbeit wichtiger sei als Rhetorik.

Was das für den Leser bedeutet

Die Sicherheit der Ukraine und ihre Position in internationalen Koalitionen hängen nicht nur von großen Erklärungen ab, sondern vom konkreten Austausch von Wissen, Technologie und Logistik. Die Bereitstellung von Abfangsystemen ist ein Beitrag zur kollektiven Verteidigung der Partner, zugleich aber eine strategische Ressource für Kiew in Form politischen Kapitals und möglichem Zugang zu knappen Luftverteidigungssystemen.

Fazit

Vor dem Hintergrund des Gesagten ist Kiews Reaktion pragmatisch: die Souveränität verteidigen und gleichzeitig ein nützlicher Partner bleiben. Der nächste Schritt liegt bei den Verbündeten: Werden sich die Hilfegesuche in Garantien und materielle Unterstützung für die Ukraine ummünzen, insbesondere bei der Lieferung von Munition für Luftabwehrsysteme und in Form langfristiger politischer Verpflichtungen?

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