De Wever fordert: Die EU soll ein Mandat für Verhandlungen mit Moskau erhalten — welche Risiken und Chancen für die Ukraine

Belgiens Premier erklärte, dass es ohne eine einheitliche europäische Position und ohne die volle Unterstützung der USA nicht möglich sei, Druck auf den Kreml auszuüben. Wir erklären, warum das für die Sicherheit und die Souveränität der Ukraine wichtig ist und was als Nächstes zu erwarten ist.

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Барт де Вевер (Фото: NICOLAS TUCAT / EPA)

Was passiert ist und warum das wichtig ist

Der belgische Premierminister Bart De Wever forderte in einem Interview mit der Zeitung L’Echo (zitiert von Euractiv), der Europäischen Union ein Mandat für Verhandlungen mit Russland zu erteilen. Seiner Ansicht nach sei es ohne „100%ige Unterstützung seitens der USA“ unmöglich, Moskau zum Rückzug zu bewegen — daher müsse die EU koordiniert handeln, wenn sie Einfluss auf den Verlauf von Verhandlungen nehmen wolle.

„Da wir Wladimir Putin nicht bedrohen können, indem wir Waffen in die Ukraine schicken, und ihn wirtschaftlich ohne die Unterstützung der USA nicht ersticken können, bleibt nur ein Weg: einen Deal zu machen.“

— Bart De Wever, belgischer Premierminister (Interview L’Echo, zitiert von Euractiv)

Die Realitäten nach De Wever

Der Kontext ist einfach und hart: Der Krieg dauert nunmehr über vier Jahre, und Druck seitens der EU ist ohne enge Koordination mit Washington nur begrenzt wirksam. De Wever warnt ausdrücklich, dass die Vereinigten Staaten manchmal „näher bei Putin zu stehen scheinen als bei Selenskyj“, und dass dies Bedingungen schaffen könne, in denen bilaterale Absprachen getroffen werden, bei denen die Interessen der Ukraine gefährdet wären.

Positionen anderer Akteure

Die Meinungen europäischer Führungspersonen gehen auseinander: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat versucht, den Kontakt zum Kreml wiederherzustellen, Kaja Kallas, Leiterin der EU-Diplomatie, besteht darauf, dass der Block vor jeglichen Kontakten mit Putin konkrete Erwartungen an Moskau abstimmen und „maximalistische Forderungen“ stellen müsse. Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, dass einzelne Verhandlungen mit Europa von Russland genutzt werden könnten, um die Ukraine zu demütigen.

„Natürlich würden wir wollen, dass die Armee in Russland etwas kleiner wäre, aber ich glaube nicht, dass Europa darauf Einfluss nehmen kann. Leider. Im Moment ist das so.“

— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Was das für Kiew bedeutet

Risiken: Verhandlungen, die von der EU initiiert oder unterstützt werden, ohne klare Abstimmung mit Kiew und Washington, könnten Druck auf die Ukraine ausüben, einen schnellen Kompromiss einzugehen. Politische Signale aus einzelnen europäischen Hauptstädten deuten darauf hin, dass solche Szenarien nicht ausgeschlossen werden können.

Chancen: Wenn das EU-Mandat ein Instrument zur Konsolidierung von Positionen wird und nicht die Koordination mit der Ukraine und den USA ersetzt, könnte der Block seine eigenen diplomatischen Hebel stärken und die Forderungen an den Kreml erhöhen — etwa in Bezug auf eine Verkleinerung der Armee oder den Abzug von Kräften aus den besetzten Gebieten.

Expertenperspektive und Fazit

Analysten raten, nicht auf einzelne Erklärungen zu achten, sondern auf drei Indikatoren: (1) ob ein formeller Vorschlag für ein Mandat auf EU-Ebene eingebracht wird, (2) wie eng die Koordination mit den USA sein wird, und (3) ob Kiew ein garantiertes Beteiligungsformat an etwaigen Verhandlungen erhält. Ohne diese Garantien besteht ein reales Risiko, dass Verhandlungen zu einem Spiel werden, in dem die Interessen der Ukraine missachtet werden.

Solange Reaktionen der Führungspersonen und Appelle von Politikern sich abwechseln, liegt der Ball bei den Partnern: Von Erklärungen muss zu abgestimmten Mechanismen übergegangen werden, die die Sicherheit und Souveränität der Ukraine gewährleisten und nicht deren Interessen verhökern.

Quellen: Interview L’Echo (zitiert von Euractiv), LIGA.net, Politico.

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