Energie-Waffenruhe mit Russland: USA und Ukraine besprachen ein Abkommen, das Angriffe verringern könnte — doch wird der Kreml zustimmen?

Die Financial Times schreibt, dass Washington und Kiew ein zeitweises Einstellen der Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Austausch für ein Ende der Angriffe auf Raffinerien und Tanker erwogen haben. Dies könnte die humanitären Folgen verringern – birgt jedoch strategische Risiken, die man jetzt kennen sollte.

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In der großen Diplomatie sind leise Absprachen wichtig

Financial Times berichtet, dass die Vereinigten Staaten und die Ukraine die Möglichkeit erörtert haben, Russland einen begrenzten Waffenstillstand im Energiebereich anzubieten. Nach Angaben der Zeitung geht es um eine Vereinbarung, bei der Moskau Angriffe auf die Energieinfrastruktur einstellt und Kiew Angriffe auf Raffinerien und Tanker unterlässt, die die Kriegsmaschinerie des Feindes versorgen.

Worum genau es ging

Der FT zufolge befanden sich die Verhandlungen in der Phase der Diskussion — nicht in der abschließenden. Die Idee ist aus humanitärer Sicht einfach: Zerstörungen verringern, Zivilisten wieder mit Strom und Wärme versorgen. Doch die Einfachheit des humanitären Arguments stößt auf die komplizierte Logik des Krieges.

"Die Verhandlungen mit Russland über diesen Vorschlag befinden sich nicht in der abschließenden Phase."

— ein Gesprächspartner der Financial Times

Warum der Kreml wohl kaum zustimmen wird

Aus politischer Sicht sind Angriffe auf die Energieinfrastruktur für Wladimir Putin nicht nur ein militärisches Mittel, sondern auch ein Druckmittel gegen die ukrainische Gesellschaft und Wirtschaft. Deshalb glauben FT-Gesprächspartner und Analysten, dass Moskau kaum ohne gesicherte Vorteile einem solchen Kompromiss zustimmen werde.

Warum auch Kiew Zweifel hat

In den ukrainischen Regierungskreisen gab es ebenfalls Vorbehalte. Ein Grund ist die Effektivität des ukrainischen Programms für Langstreckendrohnen und der Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in Russland sowie auf Tanker im Schwarzen und Mittelmeer, die die Treibstoffversorgung der russischen Armee verringern.

"Kiew zweifelt ebenfalls an einem solchen Waffenstillstand, da sein Programm für Langstreckendrohnen erfolgreich russische Öl- und Gaseinrichtungen trifft."

— ein nicht namentlich genannter ukrainischer hochrangiger Beamter, Financial Times

Geschichte und Lehren: Pausen, die teuer zu stehen kommen

Ende März 2025 hatten die Ukraine und Russland unter Vermittlung der USA bereits ein Ende der Angriffe auf die Energieinfrastruktur und im Schwarzen Meer vereinbart. Russland habe dieses Abkommen jedoch wiederholt gebrochen. Der britische Geheimdienst warnte später, dass der Gegner während solcher Pausen Raketen und andere Munition anhäufen könne.

Praxisfazit: Jedes vorübergehende Waffenstillstandsabkommen erfordert strenge Prüfmechanismen, transparente Garantien und Sanktionen bei Verstößen, sonst kann es dem Gegner einen strategischen Vorteil verschaffen.

Diplomatischer Kontext: Davos und Verhandlungen mit den USA

Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte trilaterale Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA in den VAE für den 23.–24. Januar an. Zuvor führte er bilaterale Gespräche mit US-Präsident Donald Trump, die den offiziellen Angaben zufolge von beiden Seiten positiv bewertet wurden. Gleichzeitig betont Kiew die Notwendigkeit zusätzlicher Flugabwehrsysteme — um die Selenskyj gebeten habe.

Vorteile und Risiken für die Ukraine

Vorteile: Verringerung der Zerstörungen am Energiesystem, weniger menschliches Leid und die Möglichkeit, kritische Infrastruktur zu reparieren. Risiken: Der Gegner könnte die Pause nutzen, um seine Schlagkraft wiederherzustellen oder Munition anzusammeln.

Worte, die man hören sollte

"Ich fordere die Ukrainer auf, Luftalarme ernst zu nehmen."

— Andrij Kowalenko, Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation beim Rat für nationale Sicherheit und Verteidigung

Wie geht es weiter?

Eine Entscheidung wurde nicht getroffen. Die Verhandlungen laufen laut FT weiter und sind noch weit vom finalen Format entfernt. Die Frage lautet: Können die Partner solche Garantien und Kontrollmechanismen sicherstellen, damit der humanitäre Effekt sich nicht in einen strategischen Vorteil für den Feind verwandelt?

Der entscheidende Test für den Westen und Kiew besteht darin, diplomatische Signale in reale Instrumente der Kontrolle und Rechenschaftspflicht zu verwandeln. Wenn das nicht gelingt, könnte die vorübergehende Erleichterung in neue Bedrohungen umschlagen.

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