Kommandeur der Luftlandetruppen: Bis zum Frühjahr könnte Russland am Frontabschnitt Pokrovsk erschöpft sein — was das für die Verteidigung bedeutet

In einem BBC‑Interview prognostiziert Brigadegeneral Jevhen Lasijchuk einen Rückgang der Aktivität des Feindes in der Pokrowsko‑Myrnohrad‑Agglomeration — vorausgesetzt, der Kreml setzt keine neuen Reserven ein. Wir erklären, warum das für die Front und für die taktische Planung wichtig ist.

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Was der Kommandeur sagte

In einem Interview mit der BBC wies Brigadegeneral Євген Ласійчук, Kommandeur des 7. Schnellreaktionskorps der Luftlandesturmtruppen (ДШВ), auf eine mögliche Erschöpfung russischer Einheiten in der Покровсько‑Мирноградській агломерації bis zum Frühjahr hin. Seiner Einschätzung nach könnte dies zu einem Rückgang der Vormarschgeschwindigkeit führen, sofern der Kreml nicht zusätzliche Reserven einsetzt.

«Ich denke, dass der Gegner bis zum Frühjahr erschöpft sein wird und die Tempi seines Vormarsches, seines Angriffs etwas drosseln wird. Aber das gilt wiederum nur, wenn nicht noch ein weiterer Reserveverband herangezogen wird, zum Beispiel die Marineinfanterie. Wir wissen, dass sie derzeit in der Einspielungs- und Auffüllungsphase ist. Ich bin nicht sicher, ob sie gerade in diesem Abschnitt eingesetzt wird, aber es ist möglich.»

— Євген Ласійчук, командир 7 корпусу швидкого реагування ДШВ

Ressourcen und Risiken

Ласійчук betonte, dass der Gegner in Personal und Technik überlegen sei, die ЗСУ auf diesem Abschnitt jedoch eine stabile Verteidigung aufgebaut hätten. Durch die kräftezehrenden Kämpfe sind die Russen bereits gezwungen, Reserven einzusetzen; der Kommandeur wies zudem darauf hin, dass er Daten zum Verhältnis der Verluste speziell in Покровськ und Мирноград besitzt.

Gleichzeitig berichtete der Kommandeur der ДШВ, dass die Ukraine derzeit nicht die volle Kontrolle über Покровськ zurückerlangen könne — ein Faktor, der operative Entscheidungen und die Verteilung der Kräfte beeinflusst.

Kontext

Ласійчукs Einschätzung deckt sich mit der Meinung mancher Analysten: die Erschöpfung des Gegners ist ein realistisches Szenario, sofern keine zusätzlichen Mobilisierungsressourcen eingesetzt werden. Zum Vergleich: Am 22. Januar äußerte der ehemalige US‑Sondergesandte Кіт Келлог die Hoffnung, dass bis zum 24. August Frieden eintreten könne — eine politische Prognose, die die Frage der Ressourcen auf dem Schlachtfeld nicht beantwortet.

Analysten weisen darauf hin, dass das zentrale Risiko weiterhin die Einbringung mobiler Reserven (insbesondere der Marineinfanterie) bleibt — in diesem Fall könnte sich das Kräfteverhältnis rasch verschieben.

Was das bedeutet

Ein Szenario mit einer allmählichen Verlangsamung des Angriffs verschafft den ЗСУ ein Zeitfenster für die Konsolidierung von Positionen, Umgruppierung und Versorgung. Dieses Fenster ist jedoch vorläufig: Sollte der Gegner zusätzliche Ressourcen mobilisieren, könnten die Gefechtsdynamiken wieder anziehen. Die Planungsaufgabe besteht daher darin, ausreichende Nachschubmengen, Munition und Personalrotationen sicherzustellen, um das erreichte Tempo zu stabilisieren.

Eine Zwischenfrage an die Partner und den Frontkommandeur lautet: Welche Ressourcen benötigt die Ukraine schon jetzt, um diesen potenziellen Rückgang der Aktivität des Feindes in einen nachhaltigen Vorteil zu verwandeln?

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