Kurz
Reuters zufolge hat die Leitung der deutschen Raffinerie Schwedt, die dem russischen Unternehmen „Rosneft“ gehört, in einem vertraulichen Schreiben die deutsche Regierung gewarnt: US-Sanktionen schadeten dem Betrieb des Werks und „gefährdeten“ die Kraftstoffversorgung für Berlin und die Region. In dem Schreiben wird auf Risiken für den Flughafen, den Pkw-Verkehr in der Hauptstadt, die Versorgung im gesamten Bundesland Brandenburg und für Schlüsselkomponenten der chemischen Industrie hingewiesen.
Was genau berichtet wurde
Schwedt hat eine vorübergehende Ausnahmeregelung von den Ende 2025 von den USA verhängten Sanktionen gegen „Rosneft“ und „Lukoil“ erhalten. Diese Ausnahmeregelung endet 29. April. Das Management des Werks weist auf die Abhängigkeit von langfristigen Verträgen, Zahlungsverkehrskorridoren der Banken, Versicherungsverträgen und Zulieferern (unter anderem aus Kasachstan) hin – und erklärt, dass die Befürchtungen bezüglich möglicher Sanktionen die operative Tätigkeit bereits einschränken.
„Wir spüren bereits... Einschränkungen in unserer operativen Tätigkeit“
— die Leitung von Schwedt, Schreiben (laut Reuters)
Kontext: warum das für Europa wichtig ist
Die deutsche Tochter von „Rosneft“ und die verbundenen Anlagen waren für etwa ein Drittel der Ölraffineriekapazitäten in Deutschland verantwortlich. Nach dem groß angelegten Einmarsch Russlands 2022 stellte Berlin diese Vermögenswerte unter eine vorübergehende Treuhandverwaltung, verzichtete jedoch auf eine Verstaatlichung – teilweise aus Furcht vor entsprechenden Gegenmaßnahmen des Kremls gegen deutsche Unternehmen in Russland (so berichtete Bloomberg). Reuters und mit dem Schreiben vertraute Quellen berichten auch über die Möglichkeit eines Verkaufs von Schwedt: Eine Ölgruppe und ein großer Investor haben bereits einen Kauf erwogen.
Was die Partner dazu sagen
Das deutsche Energieministerium erklärte, es führe Verhandlungen über die Verlängerung der US-Lizenz und wolle die Raffinerie unterstützen. In Washington habe man US-Unternehmen geraten, den Kauf des deutschen Rosneft-Geschäfts in Betracht zu ziehen; ein anonymer US-Beamter sagte Reuters jedoch, das Interesse an Investitionen in Europa sei in den letzten Monaten begrenzt gewesen.
Warum die Ukraine das verfolgen sollte
Sanktionen gegen den Energiesektor sind eines der wichtigsten Druckmittel auf die russische Wirtschaft. Andererseits besteht das Risiko, dass das Bestreben, Versorgungsunterbrechungen zu vermeiden, als Vorwand zur Schwächung dieses Drucks genutzt wird. Für die Ukraine ist es entscheidend, dass die europäischen Partner den Sanktionsdruck auf Russland aufrechterhalten, dabei aber reale Energieausfälle verhindern, die der Kreml für geopolitische Zwecke ausnutzen könnte. Renommierte Medien (Reuters, Bloomberg) und mit dem Prozess vertraute Quellen betonen genau dieses Dilemma.
Mögliche Szenarien
In den kommenden Wochen hat Berlin mehrere Optionen: die Ausnahmeregelung in Abstimmung mit den USA zu verlängern; den Verkauf des Unternehmens an einen privaten Investor zu fördern; oder eine staatliche Übernahme in Betracht zu ziehen. Jede Option birgt eigene Risiken und politische Folgen: von einer Abschwächung der Sanktionswirkung bis hin zu möglichem wirtschaftlichem Druck des Kremls als Gegenreaktion.
Fazit
Diese Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Sanktionspolitik auf reale Fragen der Energiesicherheit in Europa trifft. Reuters und Bloomberg liefern die faktische Grundlage; nun sind Berlin und seine Partner gefragt: Wird es ihnen gelingen, den Sanktionsdruck auf den Kreml aufrechtzuerhalten und gleichzeitig eine stabile Kraftstoffversorgung für Millionen Europäer zu garantieren?