Was Macron sagte und woher die Informationen stammen
In seiner jährlichen Rede zur Außenpolitik kritisierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das Vorgehen der US-Administration, berichtet Politico. Seinen Worten zufolge wenden sich die Vereinigten Staaten „nach und nach von einigen ihrer Verbündeten ab und lösen sich von internationalen Regeln, die sie zuvor vorangetrieben haben“ — gemeint ist eine systemische Veränderung der Außenpolitik, die Folgen für ganz Europa hat.
"Die Vereinigten Staaten sind ein etabliertes Land, das sich nach und nach von einigen seiner Verbündeten abwendet und sich von internationalen Regeln löst, die es früher vorangetrieben hat"
— Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs
"Wir entwickeln uns in einer Welt großer Mächte, in der die Versuchung, die Welt aufzuteilen, real ist. Was in den letzten Monaten, manchmal sogar in den letzten Tagen passiert ist, schmälert diese Einschätzung nicht"
— Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs
Kontext: Worum es geht
Macron verknüpfte seine Kritik direkt mit einer Reihe jüngerer Ereignisse, die die Beständigkeit zuvor etablierter Regeln infrage gestellt haben — von der Politik gegenüber Venezuela bis zu Streitigkeiten um Grönland. Zugleich wiesen Bloomberg und andere Medien darauf hin, dass die aktualisierte US-Strategie (5. Dezember 2025) den Schwerpunkt in Europa auf die Beendigung der Kampfhandlungen im Krieg Russlands gegen die Ukraine verschiebt, wobei das Dokument formell die Russische Föderation nicht als Aggressor bezeichnet. Analysten betonen: Die Verschiebung des Fokus könnte ein Vakuum bei der Bewältigung langfristiger Sicherheitsherausforderungen schaffen.
Warum das für die Ukraine wichtig ist
Die zentrale Frage für Kiew ist nicht Rhetorik, sondern die Beständigkeit der Unterstützung. Wenn ein Partner Prioritäten ändert oder geringere Bereitschaft zeigt, innerhalb von Regeln zu handeln, erschwert das automatisch die diplomatischen und materiellen Möglichkeiten, der Aggression zu begegnen. Für die Ukraine sind nicht nur Erklärungen zur Beendigung der Kampfhandlungen wichtig, sondern langfristige Sicherheitsgarantien, Waffenlieferungen und ein Sanktionsdruck gegen den Aggressor.
Gleichzeitig eröffnet dies Raum für eine europäische Initiative: Eine verstärkte Verteidigungs- und Finanzkoordination in der EU kann Schwankungen der amerikanischen Politik teilweise ausgleichen. Eine vollwertige Ersetzung der USA durch Europa ist die EU jedoch bislang nicht — das sehen sowohl europäische als auch amerikanische Experten so.
Analytischer Blick
Nach Einschätzung des Expert*innenumfelds (Politico, Bloomberg und europäische Sicherheitszentren) stehen wir vor zwei gleichzeitigen Prozessen: der Neujustierung der Prioritäten Washingtons und einem wachsenden Druck auf die EU, eine eigene Sicherheitsstrategie zu entwickeln. Für die Ukraine bedeutet das die Notwendigkeit, die Diplomatie auf mehreren Ebenen zu intensivieren — gegenüber dem Büro des US-Präsidenten, dem Kongress sowie in Brüssel —, um politische Erklärungen in konkrete Garantien und Verträge zu verwandeln.
Wie geht es weiter?
Macrons Haltung ist ein Signal: Die alliierte Architektur wird auf die Probe gestellt, und es hängt von den Handlungen der Partner selbst ab, ob Worte zu dauerhaften Institutionen werden. Für die Ukraine ist die zentrale Aufgabe, sicherzustellen, dass internationale Veränderungen nicht den Verlust von Unterstützung auf dem Schlachtfeld und in Verhandlungen bedeuten. Zur Abwägung für Leserinnen, Leser und Diplomaten bleibt die Frage: Werden es die Partner schaffen, Warnungen in konkrete Schritte für die Sicherheit Europas und eine verlässliche Hilfe für die Ukraine zu überführen?
Quellen: Politico, Bloomberg. Analyse der Autoren.