Systemische Wahrheit ohne Pathos: warum Pistorius’ Aussage wichtig ist
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat am 26. Januar nach einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem litauischen Verteidigungsminister mitgeteilt, dass Berlin die Patriot-Systeme nicht mehr in den bisherigen Mengen liefern könne — die deutschen Reserven seien durch Lieferungen an die Ukraine aufgebraucht. Die Meldung zitiert Die Zeit; ihr Kern betrifft nicht Emotionen, sondern Logistik und Verteidigungsplanung.
"Mehr können wir nicht liefern, da wir selbst auf Ersatzlieferungen warten"
— Boris Pistorius, deutscher Verteidigungsminister
Kontext: Was genau Berlin getan hat
Nach Angaben Pistorius’ hat Deutschland der Ukraine einen großen Teil seines Luftabwehrarsenals übergeben und liefert weiterhin Iris‑T‑Systeme, die er als wichtigen Teil des Schutzes bezeichnete. Ein kurzer chronologischer Überblick über die letzten Lieferungen:
- 16. Dezember 2025 — Deutschland übergab der Ukraine zwei Flugabwehrraketensysteme Patriot und ein Iris‑T‑System.
- 1. Januar 2026 — den ukrainischen Streitkräften wurden zwei weitere Patriot‑Sätze übergeben, die im Zusammenhang mit Lieferungen aus Deutschland stehen.
Folgen: Warum das nicht nur ein deutsches Problem ist
Das Ausbleiben weiterer Patriot‑Lieferungen aus Berlin bedeutet, dass die Lücke von anderen Partnern gedeckt werden muss oder der Bedarf an alternativen Lösungen steigen wird. Dabei geht es nicht nur um Abschussvorrichtungen, sondern auch um Raketen, Wartung, Ausbildung des Personals und Logistik — all das bestimmt die Einsatzfähigkeit der Luftabwehr kurzfristig.
"Partner haben begonnen, Raketen für die Luftabwehr zurückzuhalten"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (Aussage vom 20. Dezember 2025)
Präsident Selenskyj berichtete außerdem am 23. Januar von einem „positiven“ Signal der US‑Administration bezüglich Raketen für Patriot, betonte jedoch die Notwendigkeit, die Lieferungen zu beschleunigen. Das unterstreicht die zentrale These: Erklärungen müssen in materielle Lieferungen umgesetzt werden.
Was als Nächstes zu tun ist: Prioritäten für Partner und die Ukraine
Analysten und Militärexperten weisen auf drei kritisch wichtige Bereiche hin: Lieferung von Munition (Raketen), Ersatzbeschaffung für Ausrüstung in den Geberländern und schnelle Ausbildung von Personal und Wartung. Wenn die Verbündeten politische Erklärungen in konkrete Lieferungen verwandeln, wird die Effektivität der ukrainischen Luftabwehr schnell steigen.
Pistorius sagt, Deutschland habe einen bedeutenden Beitrag geleistet. Nun die Frage an die anderen: Können sie das entstandene Defizit schnell schließen und dabei die Bedürfnisse der Front berücksichtigen — und nicht nur politische Zeitpläne?