Worum es geht
Politico, gestützt auf Aussagen von neun EU-Vertretern, NATO-Insidern, Verteidigungsexperten und Diplomaten, beschreibt vier mögliche Strategien der USA in Bezug auf Grönland. Die brisanteste davon ist der Vorschlag „Sicherheit gegen Sicherheit“: Demnach könnte Washington Europa härtere Garantien für die Ukraine anbieten im Austausch für eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz auf der Insel.
Vier Szenarien, die in Brüssel und Kopenhagen diskutiert werden
Aus dem Beitrag ergibt sich eine Auflistung von Optionen: von diplomatischen Abkommen und Einflussnahme auf die Unabhängigkeitsbewegung in Grönland über den Abschluss eines Abkommens nach dem COFA-Modell (ähnlich wie mit Mikronesien, den Marshallinseln und Palau) bis hin zu einem hypothetischen gewaltsamen Szenario. Alle haben unterschiedliche Risiken für das Bündnis und für den Ruf der USA als Partner.
Warum die Ukraine zum „Trumpf“ wird
Grönland ist ein strategisch wichtiger Vorposten für den Zugang zur Arktis, für Aufklärung und Logistik. Eine Verstärkung der Präsenz dort liegt im geostrategischen Interesse der USA. Für Europa und insbesondere für die Ukraine ist die zentrale Frage, ob die europäischen Hauptstädte bereit sind, Zugeständnisse in anderen Bereichen zu machen, wenn Washington Garantien anbietet, die direkte Auswirkungen auf die Sicherheit der Ukraine haben. Eine solche Abwägung macht die Unterstützung der Ukraine zu einem Verhandlungsgegenstand zwischen großen Akteuren und untergräbt das Vertrauen in die kollektive Verteidigung.
Fakten und Quellen
Politico beruft sich auf neun Gesprächspartner in der EU und in der NATO. The Economist berichtete ebenfalls über die Möglichkeit, mit Grönland ein dem COFA ähnliches Abkommen zu schließen. LIGA.net zitiert einen dänischen Abgeordneten, der davor warnt, dass Zugeständnisse in dieser Frage Aggressionen in anderen Regionen legitimieren könnten. Zum Zeitpunkt der Recherche waren auf dem Stützpunkt Pituffik etwa 500 US-Soldaten stationiert; in Nuuk arbeiten rund 10 Mitarbeiter des Konsulats, und saisonale Einheiten der Nationalgarde verlegen etwa 100 Personen.
"Die wichtigste Eigenheit Trumps als Verhandler ist, dass er denjenigen, mit denen er verhandelt, seinen Willen aufzwingt... Ich sehe keinen Nutzen für das grönländische Volk, außer einer sehr kurzzeitigen Steigerung ihres Selbstwertgefühls"
— Thomas Crosby, Dozent für militärische Operationen am Königlichen Dänischen Verteidigungscollege
Folgen für die Ukraine und Europa
Wenn das Szenario „Sicherheit gegen Sicherheit“ tatsächlich in Erwägung gezogen wird – ist das eine Herausforderung für das bilaterale Vertrauen im Bündnis. Für die Ukraine besteht das Risiko nicht nur im möglichen Verlust von Garantien, sondern auch darin, als Verhandlungsmarke in einem größeren geopolitischen Spiel zu fungieren. Für Europa geht es um die Wahl zwischen strategischen Interessen in der Arktis und der Solidarität mit Kiew.
Worauf es zu achten gilt
Schlüsselindikatoren: offizielle Stellungnahmen des Weißen Hauses und des US-Kongresses, die Reaktion Kopenhagens und Brüssels, die Position der NATO sowie die Stimmung in Grönland selbst (die erwähnte Umfrage aus dem Jahr 2025 signalisiert ein wachsendes Interesse an Unabhängigkeit). Außerdem sollten weitere Geheimdienstinformationen und analytische Leaks in führenden Medien (Politico, The Economist) verfolgt werden — sie zeigen, wie der Verhandlungsrahmen entsteht.
Fazit
Die Geschichte handelt vom Spannungsfeld zwischen Geostrategie und Vertrauen. Wenn die USA tatsächlich erwägen, eine verstärkte Rolle in der Arktis gegen Garantien für die Ukraine zu tauschen, wird Europa gezwungen sein, seine Instrumente zum Schutz seiner Interessen und seine Koordinationsweise in der NATO zu überdenken. Es geht nicht nur darum, welches Angebot auf den Tisch gelegt wird, sondern ob Versprechen zu konkreten, rechtlich verbindlichen Garantien für die Ukraine werden.