In der großen Diplomatie zählen nicht laute Erklärungen, sondern stille Absprachen
Politico schreibt, dass die Europäische Union einen „beispiellosen“ Fünf-Schritte-Plan ausarbeitet, der der Ukraine bereits 2027 eine partielle Mitgliedschaft gewähren könnte. Quellen der Zeitung — fünf ungenannte Diplomaten, drei EU-Beamte und zwei ukrainische Offizielle — sagen, dass es nicht um eine Absenkung der Standards gehe, sondern um eine politische Formel, die Kiew an den Tisch bringt, bevor alle formalen Reformen abgeschlossen sind.
Fünf-Schritte-Plan — kurz
Schritt 1 — Bereiten Sie die Ukraine vor: Die EU gibt detaillierte, praktische Empfehlungen zu den Verhandlungsclustern, damit Kiew die Arbeitsagenda kennt. Das ist keine Verkürzung der Reformen, sondern klare Fahrpläne.
Schritt 2 — Schaffen Sie eine vereinfachte Form der Mitgliedschaft: die Idee der „umgekehrten Erweiterung“ — ein Beitritt mit schrittweiser Übertragung von Rechten und Pflichten, der ein politisches Unterstützungssignal sendet, wenn die vollständige Ratifizierung verzögert wird.
Schritt 3 — Warten Sie auf Orbáns Abgang: Die Einstimmigkeit der 27 Länder ist ein Stolperstein, und Brüssel setzt auf eine Veränderung des politischen Gleichgewichts in Budapest nach den Wahlen im Frühjahr 2026.
Schritt 4 — Setzen Sie die Trumpfkarte ein: Es wird erwartet, dass der Einfluss der USA auf einzelne Hauptstädte helfen kann, ein Veto aufzuheben; in dem Dokument wird die Eurointegration außerdem mit einem Friedensplan verknüpft, an dem Partner arbeiten.
Schritt 5 — Nutzen Sie Druckinstrumente: Wenn andere Mechanismen nicht wirken, bleibt Brüssel die Option, Artikel 7 des EU‑Vertrags wieder zur Debatte zu stellen — eine politische Sanktion, die die Rechte eines Mitglieds aussetzen kann.
Die Position der EU und politische Risiken
Wie Gesprächspartner von Politico betonen, ist das eher ein politisches Instrument als eine juristische Umgehung der Kriterien. Nach Angaben eines EU‑Beamten, „Die Mitgliedschaft in der EU bringt Vorteile nur unter der Bedingung der Transformation durch den Erweiterungsprozess — das ist die wahre Superkraft der EU‑Mitgliedschaft“. Das heißt: Der Reformfokus bleibt bestehen, aber die Reihenfolge der Gewährung politischer Rechte ändert sich.
"Die Mitgliedschaft in der EU bringt Vorteile nur unter der Bedingung der Transformation durch den Erweiterungsprozess — das ist die wahre Superkraft der EU‑Mitgliedschaft"
— ein EU‑Beamter, Kommentar gegenüber Politico
Ungarn — der entscheidende Engpass
Die Einstimmigkeit der 27 Staaten macht die Position von Viktor Orbán entscheidend. Brüssel setzt auf die Wahlen in Ungarn im Frühjahr 2026; sollte Orbán an der Macht bleiben, könnten härtere politische Maßnahmen zum Einsatz kommen, einschließlich Artikel 7. Zugleich ist sich die EU der politischen Risiken eines solchen Drucks kurz vor Wahlen bewusst.
"Die USA werden die Verantwortung übernehmen, politisch mit einigen EU‑Ländern zu arbeiten, damit diese den Beitritt der Ukraine nicht blockieren"
— Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine (6. Februar 2026)
Was das für die Ukraine bedeutet
Erstens schafft der Plan politischen Spielraum: der Status „am Tisch“ stärkt Kiews Position im Umgang mit Moskau und beschleunigt die Integrationserwartungen. Zweitens hebt das nicht die Notwendigkeit von Reformen auf — die EU sagt offen, dass „es keine Abkürzungen bei den Reformen geben wird“. Drittens hängt der Erfolg von der Außenpolitik der Partner ab: die Position der USA, die Haltung einzelner Hauptstädte und die Wahlergebnisse in der EU werden das Tempo bestimmen.
Kurzfazit
Politico konstatiert eine ehrgeizige, aber politisch ausgewogene Strategie Brüssels: die Frage der Eurointegration der Ukraine aus der Ebene der Erklärungen in einen Aktionsplan zu überführen und sich zugleich Druckmittel zu bewahren. Nun sind die Partner am Zug — können sie den politischen Willen in konkrete Schritte verwandeln, ohne den Reformprozess zu untergraben und ohne die Spaltung innerhalb Europas zu vertiefen?